Thriller - Post Mortem - Tränen aus Blut von Mark Roderick

11 März 2016

Geschundene Körper, gepeinigte Seelen – Post Mortem wird dich fesseln und dir deinen Atem rauben

Eine Familie verschwindet, nur Tochter Akina konnte sich rechtzeitig retten. Der Ehemann und Vater, Reporter, wird tot in einem Hotel aufgefunden. Er hinterlässt Emilia Ness, Agentin bei Interpol, und seinem Bruder Avram Kuyper, Auftragskiller, je eine skurrile letzte Nachricht. 

Im Zuge ihrer getrennt voneinander ablaufenden Ermittlungen und Recherchen wird ihnen ein unfassbar brutales und unerträgliches Snuff-Video zugespielt, hinter dem eine eiskalte, seelenlose und unberechenbare Bestie stecken muss. 

Emilias polizeiliche Kompetenz führt sie bald auf Spuren, die sie hinab in eine düstere Welt ziehen. Atemlos ermittelt sie mit ihrem Kollegen Mikka Kessler, während Avram Kuyper nur noch seine Familie rächen will. 
"Dann zuckte sie plötzlich zusammen. Sie kniff die Augen zu und brüllte in ihren Knebel, als würde sie bei lebendigem Leib aufgespießt. Eine Träne quoll aus ihren geschlossenen Lidern, floss in die aufgeplatzte Stelle und rann dann als roter Blutfaden an ihrer Wange herab."
Das Cover ist mit seinen glänzenden kleinen und größeren Wassertropfen eine optische Praline. Es sprach mich sofort an und als ich es live in den Händen hielt, wuchs meine Begeisterung noch mehr. Die Tropfen sind leicht erhaben und bieten ein wundervolles Tasterlebnis. Der Titel „Post Mortem“ ist schwarz gedruckt. An den Rändern der Buchstaben zeichnen sich wie von Feuchtigkeit benetzte Blutspuren ab, eben so, als wären es blutige Tränen die leicht verlaufen. Damit ist der Bezug von Cover, Titel und zur Handlung perfekt hergestellt.
Mark Roderick arbeitete nach dem BWL-Studium jahrelang als Personalentwickler und Projektmanager im Finanzbereich, bevor er 2008 ins Controlling eines juristischen Fachverlags wechselte. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Stuttgart und schreibt seit zwanzig Jahren Bücher unter verschiedenen Pseudonymen, die nicht nur in Deutschland veröffentlicht wurden.
Mark Roderick hat mit Post Mortem – Tränen aus Blut - einen äußerst rasanten Page-Turner geschrieben. Die Handlung hat mich unglaublich gefesselt und vorangetrieben.

Der Schreibstil Mark Rodericks ist samtweich und sehr angenehm zu lesen, jedoch Vorsicht, ich meine damit nur seinen Schreibstil und keinesfalls den Inhalt seiner Worte. Der Inhalt seiner Worte ist alles andere als samtweich, denn die Handlung strotzt vor bestialischer Gewalt, die man sich in seinen schlimmsten Alpträumen nicht vorstellen möchte und dennoch schafft es Mark Roderick, seinen Thriller nicht blutrünstig oder ekelhaft zu gestalten, da er diese Szenen in guter Ausdrucksweise taktvoll und maßvoll beschreibt.

Die Schauplätze der Verbrechen sind detailliert und so schaurig beschrieben, dass ich glaube mich vor Ort zu befinden. Innere Kälte macht sich in mir breit und ich empfinde Grauen, bekomme Gänsehaut und muss immer wieder ungläubig den Kopf darüber schütteln, wie sehr mich die Fantasie des Autoren schockt. Und immer, wenn ich in etwas ruhigeres Lese-Fahrwasser komme, explodiert ein weiterer Spannungshöhepunkt, der mich erneut aufrüttelt und aufwühlt.

Das Besondere an diesem Thriller sind die Figuren Emilie Ness, Agentin bei Interpol, und Avram Kyper, Profikiller. Beide sind dem Täter auf ihre besondere Weise auf der Spur. Emilia will den Täter verurteilt sehen und Avram will nur noch seine Familie rächen. So erhält der Leser zwei Perspektiven und Sichtweisen die unterschiedlicher kaum sein können, auch wenn beide unabhängig voneinander auf den Spuren von ein und demselben Täter wandeln und auch stolpern.

Diese beiden Figuren verdeutlichen, was Hinterbliebene von brutalen Verbrechen an Gedankengängen über Gerechtigkeit und Vergeltung durchleben. Diese unterschiedlichen Perspektiven haben mich noch einmal mehr an die äußerst spannende und gewollt verworrene Handlung gebunden. 

Bis zu Letzt bin ich nicht in der Lage zu erahnen, wer der Täter ist. 

Das Buch gestaltet sich somit durch zwei Haupterzählstränge. Ab und an blitzt ein weiterer Erzählstrang auf, der weitere Perspektiven in die dunkle Welt der Verbrechen gewährt.

Die Charaktere sind interessant gezeichnet. Avram ist Auftragskiller und in seinem Job eiskalt und hat dennoch einiges an feinfühligen Emotionen zu bieten, die ihn sehr sympathisch machen. Avrams Charakterzüge, eiskalt und emotional, sind trotz ihrer Gegensätzlichkeit glaubwürdig. Ich hätte mir gewünscht noch mehr aus Avrams Leben zu erfahren, doch so bleibt er mir weiterhin etwas rätselhaft.

Die Figur Emilias ist ebenso sympathisch. Ihre polizeiliche Kompetenz, ihr persönlicher Konflikt mit ihrer Teenie Tochter Becky und ihre Schmetterlinge im Bauch, gegenüber ihrem attraktiven Kollegen Mikka Kessler, machen sie angenehm authentisch. Als Emilia an der Glaubwürdigkeit Mikka Kesslers zweifeln muss, stürzt sie in ein Wechselbad der Gefühle. Diese Emotionen unterstreichen ihre Persönlichkeit und es ist nicht klar, wann und ob sie erneut Vertrauen kann.

Meine Erwartung an einen spannenden und fesselnden Thriller hat Mark Roderick mit einer Glanzleistung erfüllt, auch wenn ich zwischendurch einen kleinen Hänger hatte, weil mein Wissensdurst nicht schnell genug gestillt wurde. Meine einzigen Kritikpunkte: Es gibt einige Wiederholungen in dieser Geschichte, die nicht erforderlich gewesen wären und es bleiben ein paar unbeantwortete Fragen offen, dessen Antworten ich sehnsüchtig im zweiten Band „Post Mortem – Zeit der Asche“ erwarte, der bereits im April 2016 bei den Fischer Verlagen erscheinen wird.
Ein zutiefst verstörender Thriller, der durch unterschiedliche Perspektiven besticht und bis zur letzten Seite fesselt und spannend unterhält. Ich empfehle diesen Thriller sehr gern, doch Vorsicht, er ist nichts für zarte Seelen.

Erscheinungsdatum Erstausgabe : 25.02.2016
Aktuelle Ausgabe : 25.02.2016
Flexibler Einband 512 Seiten

Sprache: Deutsch

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