Thriller - Unter Wasser hört dich niemand schreien von Paula Treick DeBoard

04 Oktober 2017

Intrigantes Psychospiel

Rasant, krank und hochspannend


Liz Mc Ginnises zieht mit ihrer Tochter Daniell und ihrem Mann Phil in das sicherheitsüberwachte, exklusive Villenviertel „The Palm“. Phil ist Community Relation-Spezialist und soll sich um die Belange der Anwohner und des Viertels kümmern. Liz arbeitet weiterhin als Beratungslehrerin an einer Highschool, an der die 15jährige Danielle Schülerin wird.

Das Leben in The Palms ist für alle drei schwierig, denn die versnobten, steinreichen Nachbarn leben nach einer Etikette, die ihnen fremd ist. Die Hauseigentümerinnen leben wie Märchenprinzessinnen und sie umschwärmen den attraktiven Phil.

Mit der Zeit passen sich die drei etwas an. Vor allem die bisher sehr naturverbundene Danielle, während sie mit ihrer neuen, verzogenen, hübschen Freundin Kelsey viel zusammen ist, so dass Liz ihre Tochter bald kaum noch erkennt. Kelsey ist plötzlich Dauergast und geht im Haus der McGinnies ein und aus.

Als sich mysteriöse Ereignisse anhäufen, weiß Liz nicht mehr wem sie trauen kann. Und als Kelsey leblos im Pool der Familie Ginnises liegt, ist sich Liz sicher, dass jeder in The Palms einen Grund gehabt hätte Kelsey zum Schweigen zu bringen.

Paula Treick DeBoard verbringt ihre Zeit mit Lesen, Schreiben und dem Lehren von Komposition an der Universität von Kalifornien. Sie lebt mit ihrem Mann Will und ihrem Hund in Kalifornien. (Quelle: HarperCollins Germany)


Es ist lange her, einen Thriller in diesem enormen Tempo gelesen zu haben, zumindest empfinde ich den flüssigen, angenehmen Schreibstil so. Von der ersten Seite an wird man von der Story in den Bann gezogen und durch die Seiten getrieben. Ein Pageturner. Eindeutig.

Autorin Paula Treick DeBoard ist mit Unter Wasser hört dich niemand schreien ein überzeugender Thriller gelungen, der mit einem perfekt initiierten psychologischen Aufbau einhergeht. 

Trotz, dass die Geschichte sofort ein hohes Lesetempo vorgibt, lernt man die sorgfältig ausgearbeiteten Charaktere der Figuren gut kennen, denn die Perspektiven wechseln taktvoll und lassen den Leser in die Legenden der vielschichtigen Figuren eintauchen, während sich die Handlung rasant weiterentwickelt. Nicht nur der Wechsel der Perspektiven, die rückblickend bis in die Vergangenheit reichen, treiben die Spannung immer mehr auf die Spitze, sondern auch die Teilhabe an der Gedankenwelt der beiden Hauptfiguren, Liz und Phil. 

Liz und Phil sind bodenständig. Sie könnten die authentischen Nachbarn von nebenan sein, doch das was sie im exklusiven Villenviertel zunächst in gemäßigter Form erleben, bevor es eskaliert, liest sich bald wie die Verhängnisvolle Affäre in der Michael Douglas einst die Hauptrolle spielte. 

„Aber ich hatte die Worte nicht herausbekommen, da ich Angst hatte, dass ich beim Versuch, meine Unschuld zu beweisen, nur schuldig erschien.“ (Zitat)

Das was sich in The Palms abspielt ist unterschwellig intriganter Psychoterror, den die Figuren jedoch nicht sofort als solchen erkennen. Als die Situationen, Ereignisse und Verbrechen eindeutig werden, schweigt man, unterstellt, bezichtigt, kann niemandem mehr trauen und ein jeder versucht sein Gesicht zu waren.

Besonders gelungen ist die Darstellung der Entwicklung der zunächst
unscheinbaren Danielle, die sich unter dem Einfluss der reichen und hübschen Freundin Kelsey zum trotzigen Teenager entwickelt. Liz leidet darunter, als sie spürt, dass ihr die 15jährige Tochter langsam entgleitet. Die Emotionen, die eine jede Mutter empfinden würde, sind voll authentischer Emotionen erzählt. 

Und doch dreht sich die fast gänzlich unblutige Geschichte in ihrer Tiefe hauptsächlich um Liz und Phil und die stellt die Frage, schuldig oder nicht.

„Worin besteht der Unterschied zwischen einem Pädophilen und einem Unschuldigen, der beschuldigt wird, ein Pädophiler zu sein? Oder einem Vergewaltiger und jemandem, der einer Vergewaltigung beschuldigt wird? Praktisch gesehen gibt es keinen. Es nimmt sich nichts. Der eine könnte genauso gut der andere sein. Es ist egal, ob man unschuldig ist, denn die Anschuldigung nährt den Verdacht, und von da an wird die Schuld immer größer. Die Unschuldigen sind die, die es am härtesten trifft, wirklich. Sie haben am meisten zu verlieren – die mit Frauen und Kindern, die sich nicht nach etwas anderem umsehen.“ (Zitat)

Die Exklusivität von The Palms und ihrer Anwohner ist eine interessante Kulisse. Details aus den Leben der von außen eleganten Reichen und Schönen Charaktere, sind maßvoll in Handlung eingearbeitet und sie navigieren die Geschichte in eine unheimliche, bestimmte Richtung. 

„Also, ich wohne lange genug in The Palms, um zu wissen, dass es hier viel Unzufriedenheit gibt. Die Tore helfen vielleicht, den Pöbel fernzuhalten, aber sie können uns nicht vor uns selbst schützen.“ (Zitat)

Autorin Paula Treick DeBoard hat eine unheilvolle und düstere Atmosphäre erschaffen, die den Atem anhalten lässt und die das Tempo vorgibt. Bis zu Letzt vermutet man, dass eine bestimmte Wendung eintritt. Doch genau das passiert nicht. Das Ende ist unvorhergesehen, erschreckend, nachvollziehbar und ernüchternd. Wow.


Unter Wasser hört dich niemand schreien ist ein rasanter, überzeugender Thriller. Autorin Paula Treick deBoard versteht es, intriganten Psychoterror psychologisch geschickt in eine eskalierende Story hineinzuschreiben, die zuverlässig von einer unheilvollen und düsteren Atmosphäre genährt wird.

Leseempfehlung.


©nisnis-buecherliebe



Aus dem Amerikanischen von Constanze Suhr

Erscheinungsdatum Erstausgabe: 11.09.2017

Aktuelle Ausgabe: 11.09.2017

Verlag: HarperCollins


Flexibler Einband 450 Seiten

Sprache: Deutsch

Kommentare:

  1. "Intriganter Psychoterror" - klingt gut! Danke für den Tipp.

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  2. Liebe Anja,

    du hast es mal wieder geschafft und mich richtig neugierig gemacht. Das Buch kommt direkt auf meine Wunschliste!

    Liebe Grüße
    Tanja

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    1. Liebe Tanja,

      dieses Buch hat es verdient, auf deiner Wunschliste auf dich zu warten ;-).

      Liebe Grüße

      Anja

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  3. Hallo liebe Anja,
    bei einer anderen Bloggerin habe ich das Buch bereits entdeckt und sie war auch sehr begeistert. Da ich Into the Water von Paula Hawkins gehört habe, finde ich solche Thriller jetzt ganz interessant. Das Buch ist schon auf meiner Wunschliste.
    Liebste Grüße
    Andrea

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    1. Liebe Andrea,

      Unter Wasser hört dich niemand schreien ist viel lebendiger, als Into the Water. Es hat mir bei weitem besser gefallen.

      Viele liebe Grüße

      Anja

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  4. Cover und Titel sprechen mich ja schon an und nach deiner Aussage "unterschwellig intriganter Psychoterror" hattest du mich! Das Buch wandert direkt auf die Wubschliste!

    Liebe Grüße
    Janna

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    1. Liebe Janna,

      das freut mich. Du liebst ja den psychologisch guten Aufbau, daher hoffe ich, dass dir dieser doch recht unblutige Thriller gefällt.

      Viele liebe Grüße

      Anja

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  5. Hallo Nisnis,

    ich muss mich jetzt Janna anschließen. :D Mir ist das Buch jetzt schon einige Male begegnet, aber so recht hat's mich noch nicht gereizt. Nach deiner Rezension habe ich ein Auge drauf geworfen. Diese Reichen-und-Schönen-Thematik hat auch etwas.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Liebe Nicole,

      es ist schön, wenn ich dich etwas neugierig machen konnte und ich bin gespannt, ob du dich für diesen Thriller entscheiden wirst.

      Liebe Grüße

      Anja

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  6. Hallo Anja,
    der Titel bleibt schon im Gedächtnis haften. Der "intrigante Psychoterror" in der Wohnanlage zusammen mit der "eskalierenden Story" haben mich wirklich überzeugt. Ich spür schon richtig die unheilvolle Atmosphäre ...

    Anja - ich hab dich für den Mystery Blogger Award nomiert, vielleicht magst du ja annehmen und mitmachen.

    Liebe Grüße - Daniela

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    1. Liebe Daniela,

      ein paar Buchmenschen empfinden dieses Buch zu sanft. Ja es ist so gut wie unblutig, aber manchmal finde ich die psychologische Spannung höherwertig, um mich beeindrucken zu können. Ich bin gespannt, ob du dich für dieses Buch entscheiden wirst.

      Lieben Dank für die Nominierung zum Mystery Blogger Award. Ich werde versuchen teilzunehmen, benötige jedoch noch etwas Zeit.

      Viele liebe Grüße und danke, dass du an mich gedacht hast,

      Anja

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  7. Liebste Anja,

    da habe ich ein neues Wort gelernt: Pagenturner. ^^
    Ich freue mich sehr, dass Du so viel Spaß bei dem Buch hattest.

    Was ich Dir schon länger sagen wollte, dass ich es toll finde, wie Du die Fotos machst. Sie vermitteln immer so viel Klarheit und Leichtigkeit.👍
    Allerliebste Grüße
    Lilly

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    1. Liebe Lilly,

      Dankeschön. Ich freue mich sehr über dein Feedback zu meinen Buchfotos. Ich liebe es inzwischen, Bücher zu fotografieren.

      Ist es wirklich wahr? Du kanntest das Wort Pageturner noch nicht. Am Anfang meiner Bloggerzeit, kannte ich es aber auch nicht ;-).

      Viele liebe Grüße

      Anja

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  8. Hallo Anja,
    schon bei den erwähnten Zitaten bekommt man große Lust, diesen Thriller zu lesen.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass der Schreibstil, wie Du erwähnst, ein enormes Lesetempo ermöglicht.
    Danke fürs vorstellen, es kommt direkt mal auf die Wunschliste!
    liebe Grüße
    Ela

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    1. Liebe Ela,

      fein, wenn dich das Zitat schon mal sehr anspricht. Ich bin gespannt, wann ich die Besprechung bei dir lesen darf ;-).

      Liebe Grüße

      Anja

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    2. Kann noch eine ganze Weile dauern. Da sind noch sooooo viele andere Bücher! :)

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    3. Kicher. Das kenn ich ;-).

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