Psychothriller - Der Keller von Minette Walters

28 April 2016

Das Leben des 14jährigen Mädchens Muna ist die Hölle. Einst von Yetunde aus einem Waisenhaus gestohlen, wird sie im Haus der afrikanischen Familie Songolis als Sklavin gehalten. Bis zur Erschöpfung dient sie den Eheleuten Yetunde und Ebuka sowie den Söhnen Olubayo und Abiola.

Jede Nacht wird sie in einen dunklen, fensterlosen Keller eingesperrt. Bis auf die Sätze "Ja, Prinzessin. Nein, Prinzessin. Kann ich etwas für Sie tun Prinzessin?" ist es ihr verboten zu sprechen. Sie wird missbraucht und ihre Seele wird zutiefst verletzt und stets klein gehalten.

Eines Tages verschwindet auf unerklärliche Weise der jüngste Sohn der Familie. Damit die Polizei nichts von Munas Schicksal erfährt, darf sie den Keller verlassen. Muna fängt an zu lernen, denn sie ist klüger als alle glauben. Sie schmiedet Pläne der Rache und spielt ein geschicktes, abgrundtiefes psychologisches Spiel, dass die Familie entzweit, quält und zutiefst verängstigt.
Minette Walters arbeitete lange als Redakteurin in London, bevor sie Schriftstellerin wurde. Seit ihrem Debüt "Im Eishaus", das 1994 auf Deutsch veröffentlicht wurde, zählt sie zu den Lieblingsautoren von Millionen Leserinnen und Lesern in aller Welt. Alle ihre bisher erschienenen Romane wurden mit wichtigen Preisen ausgezeichnet und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Minette Walters lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Dorset, England.
Minette Walters ist mit diesem Meisterwerk erneut ein Bestseller gelungen, denn sie beherrscht es, psychologische Gedankenspiele detailgetreu in einer authentischen Handlung zu verweben, die den Leser fesselt und sogar schockt. Die Authentizität mit der die Autorin schreibt ist beeindruckend, auch wenn ich hoffe, dass diese Geschichte nicht ansatzweise so geschehen ist.

Die Charaktere der wenigen Protagonisten sind außergewöhnlich und ausführlich gezeichnet. Typisch für ein psychologisches Spiel, verändern und wandeln sie sich im Laufe der Handlung und treiben so den Leser an, rasant von Seite zu Seite zu gelangen.

Sehr interessant ist die Entwicklung der Figur Muna. Sie ist auf brutalste Weise gepeinigt und leidet einsam und stumm. Sie ist unterernährt und kaum in der Lage Emotionen richtig einzuschätzen, so scheint es. Sie ist kaum fähig zu sprechen und unfassbar unterwürfig. Besuchern wird sie als zurückgebliebene Tochter mit Gehirnschaden vorgestellt. Sie wird nicht nur psychisch von allen Familienmitgliedern misshandelt. Hiervon auf realistischer Weise zu lesen berührt und schockt.

Als sie nach dem Verschwinden ihres Bruders Abiola endlich außerhalb des Kellers leben darf, damit die Polizei, die den Vermisstenfall untersucht, nichts von Munas furchtbarem Schicksal erfährt, beginnt für sie ein neues Leben. Mit der Zeit gewinnt sie Selbstvertrauen, doch sie zeigt es niemanden. Sie lernt rasant und findet bald einen Weg, andere so zu manipulieren, dass sie unter Zorn das tun was Muna bezweckt. Muna ist bald in der Lage Menschen in ihrem Umfeld Unbehagen, Schuldgefühle und Verunsicherung zu bescheren. Das ist ihre Strafe für die quälende Vernachlässigung, die sie erleiden musste und sie hört den Teufel lachen.
Ein rasanter und intelligenter Psychothriller, der deutlich macht, wie sich Menschen unter psychologischer Qual wandeln. Meine Empfehlung an alle Thriller-Fans und an alle lesenden Fans von psychologischen Machtspielen.





Kommentare:

  1. Schleiche immer um das Buch, danke für die klasse Rezi, wird gekauft ;)

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    1. Auf dass dein SuB wächst und gedeiht. Ist natürlich eine Retourkutsche :-).

      Liebe Grüße

      Nisnis

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  2. Habe schon länger nichts mehr von Minette Walters gelesen, weil mir mal eine Phase lang ihre Bücher nicht mehr so gut gefallen hatten (Titel habe ich natürlich vergessen ...). Aber das hier klingt sehr gut, d.h. nach schlaflosen Nächten ...

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    1. Liebe Denise,

      da ging es mir ebenso wie dir. Irgendwann gab es eine Zeit, da mochte ich keinen Roman mehr von Minette Walters lesen, aber es ist schon einige Jahre her. Mit "Der Keller" hat sie mich aber wieder so richtig gepackt :-).

      Liebe Grüße

      Nisnis

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