Interview mit Krimi- und Thriller-Autorin Susanne Kliem zu ihrem Kriminalroman "Trügerische Nähe"

20 Mai 2016



Krimi- und Thriller-Autorin Susanne Kliem
Wir trafen Krimi- und Thriller-Autorin Susanne Kliem am 18. März 2016 auf der Leipziger Buchmesse zum Interview.

Susanne Kliem wurde 1965 am Niederrhein geboren. Sie arbeitete als Pressereferentin für Fernsehserien von ARD und ZDF und für das größte deutsche Theaterfestival „Theater der Welt“. Seit 2009 schreibt sie Krimis, für die sie bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde. Zuletzt erschien von ihr 2015 bei carl’s books „Trügerische Nähe“.

Sie lebt mit ihrer Familie im Herzen Berlins und ist Mitglied in der Autorenvereinigung „Syndikat“ und im „Autorenforum Berlin“.

Sie lebt mit ihrer Familie im Herzen Berlins und ist Mitglied in der Autorenvereinigung „Syndikat“ und im „Autorenforum Berlin“.

Neben mehreren Kurzgeschichten in Anthologien hat Susanne bislang die folgenden Krimis und Thriller veröffentlicht:

Die Beschützerin carl's books
Die kalte Zeit Leporello Verlag
Theaterblut Leporello Verlag

Und dann begrüßten wir uns am Vormittag des 18. März auf der Messe am Stand von carl’s books.

„Theaterblut“ ist dein erster Kriminalroman, gefolgt von „Die kalte Zeit mit demselben Ermittlerteam. Dein dritter Roman „Die Beschützerin ist anders – ein Psychothriller. Ihm folgt „Trügerische Nähe – eigenständig, authentisch und noch ein Stück härter als dein erster Thriller. 

Was hat dich bewogen, dem Ermittler-Krimi vorerst den Rücken zu kehren?

Susanne Kliem:
Die im Mainstream zu Hauf bedienten routinierten Stereotypen auch in meinem Krimi abzubilden, kam mir langweilig vor. Ich wollte definitiv keine Leiche auf meinen ersten Seiten und keine klischeeartigen Sätze, wie zum Beispiel Fragen von Ermittlern an den Gerichtsmediziner am Tatort zu Todesursache und Todeszeitpunkt und der gestresste Gerichtsmediziner antwortet, „Ich muss die Leiche erst auf meinem Tisch liegen haben und untersuchen, vorher kann ich mich dazu nicht äußern, das dauert…“. Das hat man schon gefühlte tausend Mal gelesen. Ich wollte auch deswegen vom typischen Krimischema weg, weil immer ausgefallenere Ermittlerfiguren verlangt werden, beispielsweise ein schwarzer homosexueller Ermittler im Rollstuhl. Das ist nicht mein Ding.
Meine Figuren sollen Menschen darstellen, die jedermanns Nachbar sein könnten. Figuren wie du und ich, die scheinbar ganz normal sind, bei denen sich jedoch ungeahnte Abgründe auftun.

Wir haben „Trügerische Nähe“ gelesen – nein, verschlungen – und waren fasziniert davon, wie eine anscheinende Harmonie zerfällt, bis es einen Toten zu verzeichnen gibt.

Was ist dir besonders wichtig, damit sich die Leser in den Figuren in gewisser Weise wiedererkennen?

Susanne Kliem:
Erst wenn Charaktere authentisch sind, kann sich der Leser in sie hineinfühlen bzw. sich mit ihnen identifizieren. Meine Figuren sind Leute, in denen etwas brodelt und die mit sich selbst nicht klarkommen. Sie sind Figuren, die wirklich deine Nachbarn sein könnten. Von außen unscheinbare bürgerliche Existenzen. In meinen Geschichten leben sie zunächst ein normales Leben und erst mit der Entwicklung der Handlung werden sie von anderen Figuren manipuliert, die oftmals narzisstisch veranlagt sind, sie werden getrieben und erst dann ist das Böse in der Geschichte existent.

„Trügerische Nähe“ ist so erfolgreich, dass nun eine renommierte Produktionsfirma die Verfilmungsrechte fürs Fernsehen optioniert hat.

Wie war deine erste Reaktion?

Susanne Kliem:
Ich habe laut gekreischt! Meine Agentur, die sich um meine Filmrechte kümmert, hat die Vermarktung fleißig im Hintergrund vorangetrieben, allerdings habe ich gar nicht mit positiven Ergebnissen gerechnet, da ich als Autorin ja noch nicht einen so bekannten Namen habe! Doch dann wurden sogar zwei Filmproduktionsfirmen gleichzeitig auf den Stoff aufmerksam. Ich war natürlich völlig aus dem Häuschen und bin jetzt schon ultragespannt, was daraus wird!

Die Märkische Allgemeine Oderzeitung schreibt: „Kliem erzählt „Trügerische Nähe“ wie ein Kammerstück.“

Inwieweit hattest du den Gedanken des Kammerstücks bereits beim Schreiben im Kopf?

Susanne Kliem:
Da ich ursprünglich vom Theater komme, habe ich immer noch ein Faible dafür, meine Figuren auf relativ kleinem Raum und an zentralen Schauplätzen agieren zu lassen. Dadurch kommt in meinen Geschichten oftmals nur eine geringe Anzahl von Figuren vor, die aber dann eine besonders intensive psychologische Tiefe besitzen.

Dein nächster Roman ist bereits im Entstehen begriffen. Worauf dürfen wir uns als nächstes freuen?

Susanne Kliem:
Es wird etwas ganz anderes. Bisher entwickelte sich das Böse immer erst im Laufe der Handlung aus den sich verändernden Figuren, und die Spannungskurve schraubte sich eher langsam nach oben. In meinem neuen Roman wird das Böse von Anfang an präsent sein und damit beginnt die Geschichte auf einem höheren psychologischen Spannungslevel. Es wird blutiger, die Leser dürfen einen Psychothriller erwarten.

Wann hast du angefangen zu schreiben und wie bist du Autorin geworden?

Susanne Kliem:
Angefangen habe ich mit 8 Jahren. Mit 39 spürte ich es: Ich bin begabt, zu schreiben! Ausgelöst hat diese Entdeckung ein Motivationscoach.

Hier könnt ihr selbst lesen, wie Susanne ihren Autoren-Werdegang auf ihrer Homepage schildert.

Woher kommen deine Ideen und Impulse?

Susanne Kliem:
Ganz unterschiedlich. Da ich am Theater gearbeitet habe, kamen die Impulse und Ideen zu „Theaterblut“ tatsächlich aus meinem Leben hinter den Kulissen. Bei meinem Erstling „Die kalte Zeit“ war es ein realer Zeitungsartikel über unsere Weihnachtsbäume, auf den mich mein Vater aufmerksam gemacht hat. Ich habe mich dann so intensiv mit dem Thema befasst, dass ich seither sogar für das real existierende „Nadel Journal“ schreibe!
Bei „Die Beschützerin“ hat mich die Abgrenzungsproblematik gereizt. Wie schaffe ich es, im richtigen Moment „nein“ zu sagen, wenn jemand mich emotional ausbeuten will? Die Protagonistin Janne hat übrigens ein reales Vorbild aus meinem Freundeskreis. Die Idee zu „Trügerische Nähe“ entstand aufgrund eines Medienberichts über Parasiten, die in ihrem Ökosystem die Macht übernehmen. Das Vorbild für das Dorf vor den Toren Berlins ist übrigens ein echtes Dörfchen, das ich vom Pilze-Sammeln kenne.

Wie sieht dein Schreiballtag aus? An welchem Ort schreibst du?

Susanne Kliem:
Ich schreibe täglich, meist von 9:30 bis 14:00 Uhr in der Staatsbibliothek Berlin. Zuhause lasse ich mich so gern ablenken. Die Spülmaschine, die ausgeräumt werden möchte, dies und das, was längst hätte erledigt werden müssen. Das ist einfach hinderlich, wenn ich schreiben muss. So schütze ich mich vor mir selbst und habe einen routinierten Schreiballtag gefunden.

Was wenn deine Antriebskraft fehlt? 

Susanne Kliem:
Dann müssen meine lieben Autoren-Kolleginnen mit mir in die Cafeteria der Staatsbibliothek gehen und wir diskutieren über den Plot. Allein durch diese Diskussionen bzw. durch laut ausgesprochene Sachverhalte finde ich dann einen leichten Weg hinaus aus der Schreibblockade und kann von neuem durchstarten.

Und ganz persönlich gefragt: „Was liest du privat?“

Susanne Kliem:
Ich lese gern die Bücher der deutschen Autoren wie z.B. von Elisabeth Herrmann oder von Robert Seethaler. Dessen Roman „Der Trafikant“ kann ich euch übrigens nur ans Herz legen, es ist großartig.

Was macht dich glücklich?

Susanne Kliem:
Meine Familie und unsere Leidenschaft für das Segeln auf der Ostsee.

Was entspannt dich?

Susanne Kliem:
Sauna und kaltes Weizenbier, unbedingt in der Kombination (da lacht sie).

Was macht dich wütend?

Susanne Kliem:
Rücksichtslosigkeit im Sinne von Ellenbogen-Denken, Egoismus und mangelnde Toleranz.

Liebe Susanne, wir danken dir ganz herzlich, dass wir dich interviewen durften und warten ungeduldig auf deinen neuen Roman!



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