Kriminalroman - Gastrezension von Lienz * Isarlauf von Bettina Plecher

15 Februar 2016

Gift bleibt Mord

Der Münchner Isarlauf hat einen Toten! Schnell wird der tragische Vorfall als plötzlicher Herztod abgetan, doch Dr. Quirin Quast erkennt in der Symptomatik eine höchst irritierende Unregelmäßigkeit. Schon schöpft er bösen Verdacht und steckt auch seine Kollegin und Mitbewohnerin Frieda damit an. Die sorgt sich ohnehin, denn der Tote ist der Bruder ihrer Freundin. Und zudem Kollege. Unvermittelt tun sich Abgründe im Leben des Verstorbenen auf, die einen Mord umso wahrscheinlicher erscheinen lassen. Dr. Quast und Frieda sind nicht mehr zu bremsen. Sie ermitteln ganz auf eigene Faust und Gefahr …

Art des Krimis

Hier ermittelt nicht die Polizei. Entsprechend fußt der Weg der Aufklärung auf Mutmaßungen, sich zufällig anbietenden Ereignissen, heimlichen Beobachtungen und unerwarteten Einblicken. Damit hebt sich der Krimi erfrischend vom typischen Polizeiroman ab. Er glänzt zudem mit Münchner Lokalkolorit. Der Ortskundige erkennt die Lokalitäten und hat so noch ein Plus an Flair. Und jetzt aufgepasst: Der München-Besucher könnte durchaus mit dem Krimi in der Hand eine ganz besondere Stadttour machen! Die Örtlichkeiten sind wunderbar dargestellt, die eine oder andere lockt wirklich zum Besuch.

Die Charaktere

Der „Hauptermittler“, Dr. Quirin Quast, Ur-Bayer mit Leder- … Jacke [doch nicht -Hose!] und Sneakers statt Haferlschuhen, ist ein bissl grantig, aber eigentlich ein Süßer mit dem Grüberl (Binnendeutsch Grübchen) im Kinn, das immer dann besonders kommt, wenn er lächelt. Seine Kollegin, Mitbewohnerin und heimlich Angebetete ist Frieda May. Nicht nur ist sie offenbar sehr viel jünger, sie ist zudem nördlich des „Weißwurst-Äquators“ daheim: Sie kommt aus Franken, ist eine Zugereiste. Dann ist da noch die Frauenrechtlerin Wilhelmine Ungefähr, eine wahrlich gewichtige Gestalt. Mit dem Herz am rechten Fleck.

Wie wirkt der Krimi

Die Auswahl und Darstellung der Protagonisten und weiteren handelnden Personen gibt dem „Ermittlungsteam“ eine definitiv humorige Note. Es schwingen aber auch ernste Untertöne mit, vor allem, was das Krankenhauswesen angeht. Der Krimi ist kein komischer Krimi, Bettina Plecher überzeichnet ihre Figuren nicht. Vielmehr wartet sie mit einem amüsanten Krimi und leisen kritischen Untertönen auf.

Die Schwäche des Krimis

Während es auf der einen Seite sehr stark und gut ist, vom Polizeikrimi wegzukommen, schwächelt die Handlung an ihren losen Fäden. Zwei sehr starken Nebenfiguren wird sehr viel Platz eingeräumt und sie bewegen die Handlung maßgeblich. Dann auf einmal verschwinden sie sang-, klang- und erklärungslos los von der Bildfläche. Zumindest von einer hätte ich mir mehr gewünscht: Sie wurde mit einem supertollen starken Namen versehen, steht einem sehr bedeutendsten Charakter näher als jeder andere, aber verschwindet trotzdem aus der Handlung. Ohne Grund. Schade. Der zweite Punkt, wo ich mir mehr erhofft hatte, ist die Auflösung des Falles. Das Opfer als Person bleibt nebulös. Quast treibt den Täter nicht mit geschickten Manövern in die Ecke. Der Fall löst sich im Rahmen eines Showdown von selbst. Den Hauptfiguren fehlt es an Kommunikation, sie essen lieber gemeinsam und kommunizieren so. Das ist für den Leser nicht sehr fesselnd.

Was für mich dennoch den Krimigenuss rettet

Eine starke Szene ziemlich knapp vor der Hälfte zeigt durch Dialog und Körpersprache den wesentlichen Hinweis. Die so entfachte Neugier und der daraus resultierende Verdacht treiben den Leser vorwärts. Kurz vor dem Showdown folgt ein zweiter Hinweis. Dies zusammengenommen führt zu einer wunderbaren Zufriedenheit beim Leser, wenn sein Verdacht bestätigt wird.
Wer einen humorvollen Cosy mit ernsteren Untertönen mag, dazu Münchner lokales Flair und eine Erweiterung seines Wissenshorizonts zu psychedelischen Stoffen, der wird „Isarlauf“ genießen. Ich habe den Kauf nicht bereut. 

Titel: Isarlauf

Erscheinungsdatum Erstausgabe : 22.01.2016
Aktuelle Ausgabe : 22.01.2016
Flexibler Einband 288 Seiten

Sprache: Deutsch

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