Erzählung - Gastrezension von Lienz * "Meine Erlebnisse in dem furchtbaren Weltkriege 1914-1918 von Franz Arneitz

09 März 2016


History repeats itself 

„Der 30. April des Jahre 1914 war für mich der Tag der Musterung. In Rosegg kamen eine ganze Menge junger Burschen aus dem ganzen Rosegger Gebiet zusammen. Aus dieser Schar junger Leute sind 90 als tauglich befunden worden, und unter diesen bin auch ich.“
So beginnen die Aufzeichnungen des Unterkärntners Franz Arneitz über seine Erfahrungen und sein Leid als Frontsoldat im Ersten Weltkrieg. 


Er wurde um August 1914 von der k.u.k.-Armee eingezogen und kämpfte vier Jahre lang zweimal an der Ostfront gegen Russland und zweimal an der Südwestfront gegen Italien.
Das Besondere an diesem Buch ist, das der junge und sicherlich nicht hochgebildete Soldat das Kriegsgeschehen mit messerscharfem Verstand und ungetrübtem Realitätsbewusstsein schildert. Ganz offensichtlich hat er ein großes Herz und großen Mut. Mit seinen jeweils kargen, aber umso treffenderen Worten lässt er den heutigen Leser nach mehr als 100 Jahren, davon fast 71 Jahre Frieden in Mitteleuropa, an den schier unvorstellbaren Strapazen ‚teilhaben‘.

Trotz Franz Arneitz‘ sparsamer Worte hört der Leser den Kanonendonner, sieht die Granaten in den Reihen der Soldaten krepieren, ist mit Aug und Ohr dabei, wenn die Maschinengewehrsalven die Soldaten niedermähen. Er spürt den Hunger, die Kälte, die himmelschreiend elende Hygiene. Mehr als einmal habe ich fassungslos den Kopf geschüttelt über das Gebaren der zu den eigenen Leuten brutalen, aber ansonsten offenbar sehr feigen Offiziere.

Anfangs hält sich Franz Arneitz zurück und kritisiert verhalten. „Der Zug, bei dem ich bin, hat die Spitze der Höhe besetzt, und zwar auf das gescheite Anraten des Zugskommandanten ca. 20 Schritte unter der Schneid [Grat], sodass ja der Feind einen jeden schon vorher als ganze Figur sieht, wenn er in seine Deckung schlüpft, und dies ist uns zum furchtbaren Verderbnis.“ Bei seinem vierten Fronteinsatz nimmt er sich kein Blatt mehr vor den Mund: „So sind unsere Offiziere – wenn es heiß hergeht, dann verlieren sie die ganze Vaterlandsliebe und verdrücken sich ins Hinterland.“

Franz Arneitz kämpft tapfer, weil es von ihm verlangt wird. Niemals verliert er die Menschlichkeit aus den Augen und prangert die furchtbaren Leiden der Zivilbevölkerung an, äußert sein Mitleid, seine Trauer über die unzähligen Todesopfer unter ihnen.

Er verliert und betrauert Freunde und Cousins, und einmal verlässt ihn bald selbst er Mut.

Wann immer er kann, sucht er ein Gotteshaus auf. Es ist zu vermuten, dass ihm sein Glaube die Kraft gab, dieses furchtbare Grauen durchzustehen.

Die erhaltenen authentischen Aufzeichnungen des Kärntner Soldaten ergeben dieses lesenswerte Geschichtszeugnis.

Begleitet wird es von dem Geleitwort des österreichischen Historikers Oliver Rathkolb und der Einleitung des Herausgebers Andreas Kuchler.

Im Anhang finden sich Kartenmaterial sowie ein Überblick über die einzelnen Stationen der vier Fronteinsätze.
Aus meiner Sicht ist dieses Buch gerade ein besonders wichtiges Zeitzeugnis zur Mahnung gegen Kriegshandlungen. Persönlich hat mir das Buch einen Teil meiner eigenen Familiengeschichte näher gebracht. Nicht nur war Franz Arneitz vom 12.1.1917 bis 22.1.1917 in meinem Heimatdorf stationiert. Ich verstehe nun in gewissem Umfang, warum mein Urgroßvater – der ebenfalls Kriegsteilnehmer und durch die Gasangriffe in der Gesundheit geschädigt war – entgegen der herrschenden Meinung sagte, er wolle keine Kinder, denn sie seien nur Kanonenfutter.

Autor: Franz Arneitz

Erscheinungsdatum Erstausgabe : 01.02.2016
Aktuelle Ausgabe : 01.02.2016
Fester Einband
Sprache: Deutsch

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