Roman - Gastrezension von Lienz - Woza Sisa - Die mutigen Frauen Afrikas von Margit Maximilian

30 März 2016


Blickrichtung stets nach vorn


Woza Sisi bedeutet „Komm, Schwester“. Der Untertitel lautet „Die mutigen Frauen Afrikas“. Die Autorin portraitiert zehn Frauen, die in ihrem Land, für ihren Stamm, für die Frauen viel bewegen: eine Politikerin, eine Schriftstellerin, eine Bildhauerin, eine Schauspielerin und Sozialarbeiterin, eine Fotografin, eine Starmoderatorin und Medienmogulin, eine Historikerin, eine Nonne, eine Rechtsprofessorin und eine Menschenrechtsaktivistin.

Durch zehn afrikanische Staaten südlich der Sahara geht die Reise: Mali, Senegal, Mosambik, Kenia, Südafrika, Nigeria, Benin, Süd-Sudan, Uganda und Simbabwe. Das sind immerhin 10 von 54 Ländern des Kontinents.
Als roter Faden durch das Buch zieht sich der Gedanke, dass europäische Frauen ihre afrikanischen Schwestern gern als „anders“ als sie selbst sehen. Dass dies jeder Grundlage entbehrt, wird gleichwohl sehr deutlich gemacht.


Das Buch ist als Reise zur jeweils porträtierten Frau in ihrem Land konzipiert und wird wie eine Fernsehreportage erzählt. Dies macht die Lektüre kurzweilig, hält sie aber auch recht oberflächlich. An manchen Stellen liest sich das Buch meines Erachtens wie eine schulische Abschlussarbeit – will sagen, offenbart eine zarte Naivität der Autorin. Oder wirkt zumindest so.

Die fehlende Tiefgründigkeit ist gleichzeitig mein Kritikpunkt am Buch. Wäre es für LeserInnen geschrieben, die Afrika kennen, wäre das Buch ohnehin unnötig – denn diese LeserInnen würden auch die porträtierten Frauen kennen. So nehme ich an, dass es für Leser wie mich ist, die sehr wenig über Afrika südlich der Sahara wissen. Und für solche LeserInnen geht das Buch nicht ausreichend in die Tiefe. Das führt dazu, dass mir die einzelnen Frauen nur oberflächlich im Gedächtnis bleiben, weil ich wenig außer ihren Berufen mit ihnen verbinden kann. Das ist sehr schade, denn der Ansatz des Buchs ist großartig. Zu gern hätte ich mehr vom jeweiligen Land erfahren. Zudem waren die Gespräche offenbar auch schon mal sehr schwierig aufgrund der sprachlichen Verständigung. Das ist gut möglich, Afrika verfügt über fast 2.140 Sprachen und Regionalsprachen – Europa hat „nur“ ca. 200. Auch entstand bei mir der Eindruck, dass die Autorin zum Teil nur nebenher empfangen wurde und es zu keinen tiefgründigen Gesprächen kam. Das erweckt den Eindruck – der natürlich subjektiv ist und falsch sein kann – dass die Gespräche aus welchem Grund auch immer wenig vorbereitet waren. Vielleicht liegt das daran, dass man „in Afrika“ keine Terminvergabe pflegt wie in Europa? Dieser Eindruck entstand beim Lesen ebenfalls.

Nach der Lektüre kann ich auf jeden Fall sagen, dass mein Interesse an Afrika geweckt wurde. Das Buch werde ich als roten Faden nutzen und zumindest über die Länder der porträtierten Frauen nachlesen.
Auch habe ich aus dem Buch erfahren, dass es „weiße“ Schwarze gibt.
Afrika – höchste Zeit, dass wir Europäer mehr über unseren Ursprung lesen, lernen, hören, so fern in der Zeit dieser auch liegen mag.

Die Autorin Margot Maximilian ist Redakteurin im Ressort Außenpolitik der Zeit im Bild, vergleichbar mit der deutschen Tagesschau. Daher war für mich klar, dass ich dieses Buch lesen will. Auch habe ich bereits andere Bücher aus dem K&S-Verlag gelesen, die mir gefallen haben. Entsprechend hohe Erwartungen hatte ich im Vorfeld.
Das Buch ist interessant für jeden, der zehn unterschiedliche Frauenportraits lesen und damit in den Kontinent südlich der Sahara hineinschnuppern will. 
3,5 von 5 Sternen

Buch: Woza Sisi

Erscheinungsdatum Erstausgabe : 01.03.2016
Aktuelle Ausgabe : 01.03.2016
Fester Einband

Sprache: Deutsch

Kommentare:

  1. Hallo liebe Nisnis,

    die Idee klingt wirklich spannend und hat mich gleich neugierig gemacht. Schade, dass es dieser Geschichte an Tiefgründigkeit zu mangeln scheint.
    Von "weißen" Schwarzen habe ich bisher auch noch nicht gehört *grübel*.
    Ich danke Dir für Deine ehrliche Meinung!

    Liebe Grüße,
    Tanja ♥

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  2. Liebe Tanja,
    auch wenn das Buch nicht in die Tiefe geht, ist es interessant. Ja, das mit den "weißen" Schwarzen hatte ich bislang auch nicht gehört.
    Liebe Grüße
    Lienz

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