Thriller - Krähenmutter von Chatherine Shepherd

02 Oktober 2016

Die Zeit des unsichtbaren Schutzengels – Emotionaler Thriller ohne viel Blutvergießen


Eine junge Mutter testet in der Kosmetikabteilung eines Supermarktes Lippenstifte und lässt ihren kleinen Sohn Henry, der im Kinderwagen friedlich schlummert, nur einen kleinen Augenblick aus den Augen. Als sie sich umdreht ist der Kinderwagen samt ihrem Baby spurlos verschwunden.

Für die betuchten Eltern bricht eine Welt zusammen. Sie warten vergeblich auf eine Lösegeldaufforderung. Als diese jedoch ausbleibt, stellt sich der Fall für die LKA-Ermittlerin Laura Kern und ihren Partner Max äußerst rätselhaft dar.
Auch das Verhalten der Eltern gibt ihnen Rätsel auf, so dass die Vermutung nahe liegt, dass sie womöglich mit den Tätern gemeinsame Sache machen. Da Mathias Nussbaum ein angesehener Unternehmer ist, dessen Kontakte bis in die Politik reichen, stehen dem Ermittlerteam bereits das Innenministerium im Nacken.

Während Laura und ihr Team mit widersprüchlichen Zeugenaussagen beschäftigt sind, verschwindet plötzlich der Vater des Kindes und die verbleibende Zeit verrinnt gefährlich schnell.
Catherine Shepherd, geboren 1972, stammt ursprünglich aus Berlin und lebt heute mit ihrer Familie in Zons am Rhein. Nach dem Abitur studierte sie Wirtschaftswissenschaften und arbeitete anschließend bei einer großen Bank. Doch ihre Leidenschaft für Kreativität und Phantasie trat immer stärker hervor, bis sie eines Tages zum Stift griff und ihren ersten Thriller schrieb. Seitdem hat sie schon eine Million Leser mit ihren Büchern begeistert. (Quelle: Piper Verlag)
Ich war mir zunächst nicht ganz sicher, ob ich Krähenmutter lesen wollte oder nicht, denn schließlich offenbart der Titel deutlich, dass es in dieser Geschichte um Kinder geht. Um kleine Kinder, denn das Cover zeigt einen Kinderwagen, auf dessen Griff eine schwarze Krähe posiert. Als Mutter wägt man dann immer ab, ob man sich den Emotionen einer solchen Geschichte hingeben möchte oder nicht. Ich war dann mal stark und begann meinen ersten Chatherine Shepherd zu lesen. Es wurde Zeit.

Die Erzählung startete mit einer emotionalen Szenerie, in der von einem kleinen, namenlosen Jungen die Rede ist. Er lebt mit seiner Mutter und den Babys in einem Haus, dass er nur selten verlassen darf. Er liebt seine Mama abgöttisch, aber er kann das Babygeschrei fast nicht mehr ertragen. Was es mit dem kleinen Jungen auf sich hat, spoilere ich hier natürlich nicht, aber so viel vor ab, man darf spannende Lesestunden erwarten.

Chatherine Shepherd hat mich mit ihrem angenehmen Schreibstil sehr schnell in den Bann gezogen. Er ist klar und ausdrucksstark und er zerrinnt förmlich auf der Zunge, so dass man sein Lesetempo merklich erhöht. Da sich verschiedene und hoch spannende Perspektiven im Wechsel ablösen, trägt sich die Spannung fast von allein. Allerdings legt Chatherine Shepherd so viele Emotionen in ihre Sprache, dass die Spannung immer weiter ansteigt, bis sie in einem fulminanten, emotionalen und schlüssigen Showdown endet.

Die wohl pointierten Emotionen spielen in diesem Thriller mit den Nerven der Leser. Wer bleibt schon still sitzen, wenn es um kleine Kinder geht. Die Autorin beschreibt die Sorgen und Ängste der Eltern, die knisternde und rätselhafte Spannung und on top die grausamen Erinnerungen der Ermittlerin, die in ihrer Kindheit ein grausames Erlebnis allein durchlebt hat, die ihr noch heute furchtbare Alpträume bescheren.

Die „meisten“ Figuren sind sehr lebendig gezeichnet. Tiefe Einblicke in die Psyche der Figuren bringen sie mir sehr nah. Ob sympathisch oder nicht, ob gut oder böse, mir gefällt die Zeichnung der Charaktereigenschaften, die mir eine persönliche Einordnung und Einschätzung der Protagonisten erlauben, die ich zum Entschlüsseln der rätselhaften Kriminalfälle in dieser Geschichte benötige. Aber, es gab genau so Figuren dir mir zu blass erschienen, deren Handlungen für mich nicht nachvollziehbar oder authentisch genug waren.

Trotz dass ich überrascht werde, einige mögliche Motive zum Entschlüsseln präsentiert bekomme, geschickte Wendungen genießen darf und die Handlung unvorhersehbar erscheint, wirkt mir Krähenmutter leider etwas zu sehr konstruiert.

Dieser Thriller kommt maßvoll ohne großartiges Blutvergießen aus, da die Autorin Kraft ihrer Worte ausreichend gruselige Spannung und Nervenkitzel erzeugt.
Krähenmutter ist ein hoch spannender und emotionaler Thriller, der nur wenig Blutvergießen benötigt, um den Leser in den Bann der Geschichte zu ziehen. So kann ich diesen Thriller auch denen empfehlen, die blutrünstige Thriller gänzlich ablehnen.




Erscheinungsdatum Erstausgabe : 29.10.2015
Aktuelle Ausgabe : 04.10.2016
Verlag : Piper
Flexibler Einband 288 Seiten

Sprache: Deutsch

Kommentare:

  1. Bei diesem Buch habe ich auch nie zugegriffen wegen dem Bezug auf Kinder, solche Geschichten kann ich nicht so gut 'vertragen', aber es scheint dann wohl doch lesbar zu sein :-)

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    1. Ja, liebe Kasin. Ich habe auch gezögert, habe es aber nicht bereut, in Bezug auf die Kinder!

      Liebe Grüße

      Nisnis

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  2. Bei dem Buch zögere ich auch. Die Zons-Reihe der Autorin konnte mich so gar nicht begeistern (habe davon 3 Bücher gelesen), und daher scheue ich mich hier ein wenig vor dem Kauf. Trotz deiner tollen Rezi, werde ich das Buch erstmal nur im Hinterkopf behalten.


    LG Tanja

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    1. Hallo Tanja,

      du hast ja glücklicherweise noch ne Menge guter Buchideen :-D. Wenn ich mir nicht ganz sicher bin, dann lass ich es auch lieber.

      Liebe Grüße

      Nisnis

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  3. Huhu Nisnis,
    ich finde auch, dass das Thema schon ausreicht, um genügend Spannung zu schaffen. Wie auch du, bin ich beim Anblick des Covers erstmal zusammengezuckt: Kleine Kinder und Thriller? Ob das was ist, was die Nerven so einfach verkraften?
    Großes Lob für diese Rezension. Du spoilerst nicht, gibst aber genügend Einblick in die Geschichte, damit man sich ein Bild machen kann. Die Neugierde wird geweckt.

    Ganz liebe Grüße Tanja :o)

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    1. Liebe Tanja,

      freue mich dass die die Rezension gefällt. Spoilern darf nun auch wirklich nicht sein, das möchte ich schließlich auch nicht in Rezensionen lesen ;-).

      Liebe Grüße

      Nisnis

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    2. Huhu Nisnis,
      da gebe ich dir absolut Recht. Zwar kann man mich, so glaube ich zumindest, nicht allzu schnell spoilern, ich hatte allerdings auch vor geraumer Zeit ein böses Erlebnis damit.
      Eine Rezension hat die absolut überraschende Wendung ganz zum Schluss des Buches verraten. Da war ich das erste Mal wirklich etwas sauer, weil mir dadurch die ganze Geschichte madig gemacht wurde.
      Ganz liebe Grüße Tanja :o)

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    3. Hey liebe Tanja,

      oh, das geht natürlich überhaupt gar nicht. Ich lese nur die Rezensionen, dessen Bücher noch nicht auf meinem SuB liegen, um nicht gespoilert zu werden. Hätte mich auch sehr darüber geärgert.

      Liebe Grüße

      Nisnis

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