Psychothriller - Das Gesicht meines Mörders von Sophie Kendrick

18 Dezember 2016

Kann man sich selbst vergessen?  

Hoch spannendes Psychothriller-Debüt

Bei einem Einbruch wird Clara Winter von einem Täter niedergeschlagen und fällt schwer verletzt ins Koma. Als Clara aus dem Koma erwacht scheinen ihr Leben und ihre Erinnerung restlos ausgelöscht. An ihrem Krankenbett sitz ihr Ehemann Roland, eine für sie völlig fremde Person. Langsam, ganz langsam lässt sie sich auf den liebevollen Schriftsteller ein und will einen Neuanfang mit ihm beginnen.

Doch plötzlich werden alle behutsamen Anfänge zunichte gemacht, als jemand versucht Clara zu töten. Clara begreift dass sie sich erinnern muss und beginnt ihr Leben zu rekonstruieren.
Sie findet heraus dass sie sich am Tag des Einbruchs mit einer Frau treffen wollte, die seitdem spurlos verschwunden ist. Clara ist verzweifelt und äußerst labil und trotzdem fängt sie an ihr Leben von hinten aufzurollen, doch damit begibt sie sich in höchste Gefahr.
 
Sophie Kendrick lebte in verschiedenen europäischen Ländern, unter anderem in Großbritannien, wo sie englische Literatur studierte und über die Schwestern Brontë forschte. Sie arbeitete in einer Agentur für Buchprojekte und als Ghostwriterin, bevor sie ihren ersten eigenen Roman schrieb.
Das Gesicht meines Mörders ist ein gelungenes Debüt. Thematisch ist das Mysterium des sich nicht erinnern Könnens zwar häufig in Psychothrillern angewandt, doch Sophie Kendrick tut dies literarisch auf eine besondere und erfrischende Weise. Sie erzählt die dramatische Geschichte aus einer einzelnen Perspektive heraus und schafft durch die Ich-Erzählform eine intensive und starke Bindung zu der Figur der Clara Winter.

Clara ist sympathisch und sie erarbeitet sich im Laufe der spannenden Handlung eine Rekonstruktion ihres Lebens. Psychologisch geschickt aufgebaut erlebt der Leser ein Auf und Ab von Emotionen mit, die die Figur durchstehen und durchhalten muss. Clara leidet unter dem Verlust ihrer Erinnerung und sie gerät immer wieder in akute Panik, taucht tief ein in ein Meer aus Selbstzweifel und Angst und kämpft gegen einen immer wiederkehrenden Alptraum an. Trotz ihrer authentisch dargestellten Labilität ist sie dennoch eine sehr angenehm taffe und starke Frau, die sich so schnell nicht beeinflussen lässt und kämpft.

An Claras Seite ist ihr Ehemann, der für sie jedoch eine völlig fremde Person ist. Dieses sich langsam annähern und die Konflikte die eine derartige Situation in einer Beziehung mit sich bringen, hat Sophie Kendrick sehr fein ausgearbeitet, interessant aufbereitet und schriftstellerisch mit einen angenehm flüssigen und sanften Schreibstil angereichert.

Die Entwicklung der Geschichte findet in gemäßigtem Tempo statt, so dass sich die düstere Stimmung und die dramatische Spannung so entfaltet, dass der Leser völlig gefangen genommen sein  Lesetempo erhöht.

Trotz dieses einzelnen Handlungsstranges kommt es zu keinen Längen, denn Sophie Kendricks fädelt immer wieder Wendungen ein, die bis zum Show Down zu einem großen Knäuel heranwachsen, bevor sie am Ende logisch mit einer unvorhergesehenen Auflösung verschmelzen.

Und keine Sorge, dies ist kein Psychothriller über eine Hauptfigur mit einer kaputten und kranken Seele à la Girl on the Train, die den Buchmarkt zu genüge überschwemmt hat.
 
Dieses gelungene Psychothriller-Debüt empfehle ich sehr gern weiter.



Erscheinungsdatum Erstausgabe : 16.12.2016
Aktuelle Ausgabe : 16.12.2016
Flexibler Einband 320 Seiten
Sprache: Deutsch

Kommentare:

  1. Hi :D

    Also das klingt auch direkt nach einem Psychothriller nach meinem Geschmack! Danke für deine Rezi und ich wünsche dir einen schönen vierten Advent!

    Jessi

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    1. Liebe Jessi,

      ich freue mich wenn ich deine Neugierde wecken konnte.

      Hab eine wunderschöne Weihnachtszeit, im Kreise seiner Lieben.

      Liebe Grüße

      Nisnis

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  2. Ich hab mit dem Buch bereits geliebäugelt, aber gezweifelt, denn diese Thematik des Gedächtnisverlustes ist zur Zeit sehr beliebt im Thriller-Bereich. Aber wenn du so begeistert davon sprichst kommt es nun doch auf die WuLi!

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    1. Ich war zunächst auch erst skeptisch, aber dann sehr gut und spannend unterhalten.

      Liebe Grüße

      Nisnis

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  3. In letzter Zeit gehen viele Bücher aus dem Rowohlt Verlag an mir vorbei. Keine Ahnung woran das liegt und so ist das hier auch an mir vorbeigegangen. Da ich in letzter Zeit kaum so was mit dieser Thematik gelesen habe, wandert es mal brav auf meine WuLi :3

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    1. Liebe Kaisu,

      bei mir ist es genau umgekehrt, ich habe bei Rowohlt viele schöne Bücher entdeckt und habe vorher nur recht wenig von Rowohlt gelesen.

      Liebe Grüße

      Nisnis

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    2. XD na bei vielen Autoren (z.B. M.J. Arlidge) les ich inzwischen auf englisch und stöber dann kaum noch bei den Verlagen hier in Deutschland. Ähnlich beim Piper Verlag, wo Paul Finch erscheint. Aber dafür hab ich ja dann andere Blogger, die mich auf neue Büchlein aufmerksam machen :3

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