Thriller - Ich bin der Zorn von Ethan Cross

20 Januar 2017

Geboren zum Jagen und Töten 

4. Band der Reihe um den Serienkiller Francis Ackerman junior

USA/Arizona: Gefängniswärter Jerry Navarro wird von dem psychopathischen Serienkiller „Judas“ erpresst und erschießt mehrere Menschen und einen Gefängniswärter. Bundesermittler Special Agent Marcus Williams und sein Team nehmen die Ermittlungen auf. 

Marcus entschließt sich den gefährlichsten und unberechenbarsten Serienkiller Francis Ackerman junior, seinen eigenen Bruder, in die Ermittlungen einzubeziehen.

Er soll undercover unter den Häftlingen recherchieren und Informationen sammeln. Doch bald ist gewiss, dass der Judaskiller nicht einfach nur mordet, sondern ein größeres Ziel verfolgt.

„Mein Zorn ist gewaltig. 
Er bringt den Tod. 
Auch dir.“


Ethan Cross ist das Pseudonym des amerikanischen Thriller-Autors, der eigentlich Aaron Brown heißt.

Schon immer war er fasziniert von Geschichten und wusste bereits früh, dass er Schriftsteller sein will. Bereits zu Schulzeiten schreib er ein komplettes Drehbuch und versuchte auch in der Filmindustrie Fuß zu fassen. Doch seine Liebe zur Musik war damals stärker. Er lebte diesen Traum als Sänger und Gitarrist, doch das Schreiben ließ ihn nie los.

Seinen ersten Thriller „The Shepherd“ veröffentlicht er schließlich 2011. Zwei Jahre später erscheint das Buch in Deutschland unter dem Titel „Ich bin die Nacht“. Damit beginnt eine erfolgreiche Thriller-Reihe um die ungleichen Protagonisten Francis Ackerman junior und Marcus Williams.

Ethan Cross lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Illinois, USA. (Quelle: Bastei Lübbe)


Mein erster Thriller von Ethan Cross hat mich nicht vollständig überzeugt. Nach zahlreichen überschwänglichen Rezensionen der Shepherd-Vorgänger, habe ich etwas Großartiges erwartet und nicht angetroffen. Die Grundidee der Story ist ansprechend, doch in der Umsetzung haperte es stellenweise, sodass Längen eine Herausforderung darstellten. Die Geschichte nahm kaum Fahrt auf und entwickelte sich nur langsam. Bei einigen Nebenschauplätzen stellte ich mir die Frage nach dem Sinn.

Trotz, dass mir die Vorgänger-Bände nicht bekannt sind, bin ich gut in der Geschichte zurechtgekommen, da Ethan Cross kurze, erläuternde Abstecher ins Zurück einbaute. Die Herausforderung vielen Handlungssträngen zahlreicher Protagonisten folgen zu können, nehme ich stets gern an und es gelang mir auch hier. Doch ich kann mir vorstellen, dass die zahlreichen Wechsel der Perspektiven nicht jedermanns Sache und Konzentration sind.

Gut gefallen hat mir die Zeichnung der faszinierenden und angenehm intelligenten Figur Ackerman junior. Ausgestattet mit allem was einen brutaleren Serienkiller ausmacht, der auf bestialischste und kaltblütigste Weise tötet, gab ihr Ethan Cross ein gesundes Maß an Humor und Witz mit. Einige Male musste ich sehr über den Mann schmunzeln, der keine Furcht kennt. Diese Figur gab dem Thriller ordentlich Pfeffer, sodass man aus dem stupiden Lese-Rhythmus stolperte, doch leider hat man nicht sehr viel von ihm gelesen.


Special Agent Marcus Williams, der seinen Bruder undercover einsetzt, befindet sich in einem inneren Konflikt bei der Frage, ob es richtig ist einen Serienkiller bei der Jagd nach einem Serienkiller einzusetzen. Diese Problematik und seine Konflikte, ob er ein guter Vater sei, fand ich gut umgesetzt.

Die Figuren dieses Thrillers sind schnörkellos. Durch die Darstellung von Stärken und Schwächen punkten sie in der Authentizität, doch einige von ihnen kamen viel zu kurz, obwohl sie interessante Persönlichkeiten waren. Besonders die Ermittler bzw. die Figuren der guten Seite waren zu blass und mit zu wenig charakterlicher Tiefe ausgestattet.

Der Schreibstil des Autors ist angenehm flüssig und trotz der bestialischen Verbrechen die geschehen wählt er eine Sprache die maßvoll und angemessen ist.

Der Showdown ist zwar fulminant, doch nach meinem Empfinden enttäuschend, da die Inszenierungen des Killers weit in der Vergangenheit liegen und nicht im Hier und Jetzt enden.

Den Hype um diese Reihe kann ich bei weitem nicht nachvollziehen, doch es könnte schließlich möglich sein, dass die Vorgänger in einer anderen literarischen Liga spielen.


Ich bin der Zorn ist ein lesenswerter und spannender Thriller, doch er kann sich mit dem inszenierten Hype nicht messen.


Autor: Ethan Cross

Erscheinungsdatum Erstausgabe: 11.11.2016
Aktuelle Ausgabe: 11.11.2016
Verlag: Bastei Lübbe
Flexibler Einband 448 Seiten

Sprache: Deutsch

Kommentare:

  1. Aus der Reihe schlummert auch ein Buch auf meinem SuB! Ich bin mal gespannt wie ich es finden werde! Tolle Rezi, die ich wieder mit Vergnügen gelesen habe!

    LG Tanja

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    1. Liebe Tanja,

      dann bin ich sehr auf deine Meinung gespannt. Viele Rezensenten schrieben, dass die Vorgänger besser seien als dieser Thriller.

      Freue mich sehr, dass du die Rezi gern gelesen hast. Überhaupt finde ich es ganz ganz lieb, wie zuverlässig du immer wieder hier vorbeischaust. Das motiviert ungemein. Dankeschön.

      Liebe Grüße

      Nisnis

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  2. Hallo Nisnis,
    die Bücher habe ich auch schon desöfteren im Regal der Buchhandlung oder auf anderen Internetseiten gesehen. Ich war auch der Meinung,dass es sich um einen bekannten und gern gelesenen Autor handelt.

    Deine Rezension hat mir wieder sehr gut gefallen. Du hast schlüssig dargelegt,was dir an dem Buch gefallen hat und was weniger. Ich denke, dass es auch kein Buch für mich wäre. Es erscheint mir eher langatmig. Wobei ein Serienkiller mit Humor wieder durchaus sehr interessant klingt :o)

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

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    1. Liebe Tanja,

      lieben Dank für deine liebe Rückmeldung. Der Thriller ist nicht durchweg langatmig, es gibt reichlich Action, doch zwischendurch waren die Längen eine unliebsame Herausforderung.

      Sei lieb gegrüßt,

      Nisnis

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  3. Guten Morgen!

    Ich habe den ersten Teil gelesen und Teil 2 wartet noch in den Weiten meines SUBs.

    Den ersten habe ich eher als mittelmäßig in Erinnerung und was mich am meisten störte war, dass Marcus Williams, in eigentlich auswegslosen Situationen, ganz plötzlich das richtige Werkzeug vorhanden war.
    Der Serienkiller Ackerman junior hat mir hingegen sehr gefallen, weil er einfach genial beschrieben war. Er hat eigentlich das besondere Etwas geliefert.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Mone

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    1. Liebe Mone,

      ich kann gut nachvollziehen was du schreibst. Ackerman ist "der" Charakter, der das Buch wohl zum Hingucker macht. Alles andere ist eher blass.

      Dankeschön. Ich wünsche dir ebenfalls ein wunderschönes Wochenende,

      Nisnis

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