Thriller - Weiße Hand wie Schnee von Alexandra Huß

19 Januar 2017

Verstörend

Kurzweiliger und spannender Thrill für Leser mit starken Nerven

Fünf Geschwister wähnen sich in einer alten Burg, die sie ihr Zuhause nennen, in den dichten Wäldern Schottlands, in Sicherheit. Sie sind vor einem von Missbrauch geprägtem Leben geflohen, dass ihre Seelen zerstört hat.

Zeitgleich gewährt ein Psychiater einem Straftäter Freigang, von dem dieser nicht zurückkehrt. Gemeinsam mit einer Kollegin macht er sich auf die Suche nach seinem überfälligen Patienten. Dabei treffen die beiden Psychiater fatalerweise auf die fünf Geschwister.

Alexandra Huß studierte Creative Writing an der VHS Duisburg und absolvierte verschiedene Praktika in der Buchbranche. Sie lebt mit ihrer Familie im schaurig-schönen Ruhrgebiet und verfasst unter anderem Texte für Touristikportale. Auf Mallorca, ihrer zweiten Heimat, tankt sie Energie für neue Projekte.

Als Autorin ist Alexandra Huß wirklich vielseitig unterwegs. Zwar steckt sie »noch in den Schuhen eines Waisenkindes, auf der Suche nach ... Papier, Stift und dem fliegenden Teppich«, wie sie es selbst beschreibt. Gleichzeitig aber ist sie auch ohne fliegenden Teppich schon in den verschiedensten Genres aktiv.

»Kurzgeschichte, Hörbeitrag, Hörspiel, Kinder-/Jugendliteratur, Krimi, Kurzkrimi, Thriller, lesbisch/schwule Literatur, Lyrik, Märchen, Sagen, Mythen, Mundart, Novelle, Prosa, Kurzprosa, Roman« - alles das interessiert sie, vieles davon hat Alexandra Huß schon praktisch für sich erprobt. In der Ganymed Edition soll es ganz viel davon zu lesen geben. Den Anfang machen wir im Juni 2016 mit einem wahrlich finsteren Thriller (›Weiße Hand wie Schnee‹) und kurz danach mit einem Kinderbuch (›Der magische Teekessel‹). (Quelle: www.alexhussde.de)


Im vergangenen November lernte ich die sehr sympathische Autorin Alexandra Huß, während einer Wohnzimmerlesung kennen. Bei dieser Veranstaltung las sie Auszüge aus Weiße Hand wie Schnee. Sehr schnell war ich fasziniert von ihrem außergewöhnlichen Stil und einem rasanten Tempo. Ich konnte nicht wiederstehen und trug nach der Lesung mein neu gekauftes Buch nach Hause.

Nachdem ich das Buch heute ausgelesen habe, bleibe ich mit gemischten Gefühlen zurück, die ein Einerseits und ein Andererseits in mir hinterlassen.

Die Geschichte des nur 212 Seiten langen Werks ist äußerst verstörend. Inhalte der Handlung können kaum erwähnt werden, ohne sie zu spoilern. Nur so viel sei gesagt, es handelt sich bei den Geschwistern um schwer missbrauchte Seelen, die sich auf einem Rachefeldzug befinden und dabei auf einen Serienkiller treffen, der nach einem Freigang nicht in die psychiatrische Klinik zurückkehrt.

Einerseits Alexandra Huß, verwendet in ihrer Geschichte einen Stil, der ein unglaubliches Tempo an den Tag legt. Als Leser prescht man durch die Seiten. Angetrieben von kurzen, prägnanten und aussagekräftigen Sätzen, ohne jeden Schnörkel. Die Autorin fängt den Leser ein und fesselt allein schon durch ihre Sprache. Dadurch gelingt es ihr meisterhaft, eine sehr düstere und schaurige Stimmung zu zeichnen, die sich hochspannend und zuverlässig bis zum Ende hält und immer wieder für Gänsehaut sorgt.

Andererseits Ich bin Liebhaberin wirklich harter Thriller, doch dieser hier ist mir in seiner Sprache einen Hauch zu obszön und vulgär. Sicherlich passt dieser Stil in die verstörende Lebensgeschichte der missbrauchten Geschwister, die derartig kaputte Seelen sind, sodass sich ihr Gedankengut bizarr und vulgär in ihrem Ausdruck und in ihren Handlungen widerspiegelt. Diese Umsetzung ist der Autorin sehr gut gelungen. Doch es sind nicht nur die Interaktionen der Geschwister, die mir dieses too much – Gefühl vermitteln, sondern auch die weiterer Figuren, die Unmenschliches und Ekelhaftes praktizieren, das hier nicht niedergeschrieben stehen sollte, falls sich ein minderjähriger kleiner Mensch hier her verirrt.


Den Pullover durchtrenne ich mit einem Messer, ihre schlabbrigen Titten liegen frei. Mit Daumen und Zeigefinger hebe ich eine an, es ist ekelhaft. Weich und ohne Festigkeit, wie ein Waschlappen. In ihrem Gesicht zeichnet sich etwas ab. Erkenntnis. Doch bevor ihre grauen Gehirnzellen das ganze genau kapiert haben, habe ich die Titte abgesäbelt und an die kalte Burgmauer geklatscht. Ein Knurren ertönt, der Hund hat wieder Appetit bekommen.

***

Mit einem Trichter, einem gelben, gieße ich Treibstoff in sie hinein, bis der letzte verschwunden ist. Art stellt sich zu mir, er hat das Feuerzeug schon in der Hand. XXX pisst vor Angst und auch an ihrem Arsch tritt etwas aus.

***

Die Arme über den Kopf gezogen und an zwei Haken fixiert. Es blutet aus einer Wunde am Bauch. Es sieht nach einem Schnitt aus. Pisse und flüssige Kacke vermischen sich und tropfen auf den Höhlenboden.

***

Alexandra Huß spielt mit dem Leser, indem sie die Perspektiven geschickt abwechseln präsentiert. Zunächst durchschaue ich nicht sofort, wer darin agiert, da nicht nur die weibliche Hauptfigur Scout in der Ich-Erzählweise durch die Seiten wandert, sondern noch eine weitere Figur. Aber nach ein paar Kapiteln, konnte ich mich auf diesen Stil zufrieden einlassen.

Während des Lesens fiel mir kaum auf, dass die Geschichte nicht in allen Punkten authentisch ist. Erst nach beenden des Buchs geistert mir der ein oder andere Gedanke durch den Kopf, der mir Fragen stellt, die ich nicht beantworten kann. Trotzdem wird Weiße Hand wie Schnee noch länger in mir nachhallen und das schafft noch lange nicht jeder Autor mit seiner Geschichte.

Diesen Thriller mit Sternen zu bewerten fällt mir unglaublich schwer. Einerseits hat mich die Geschichte durch einen außergewöhnlichen Stil bis zum Schluss gefesselt und äußerst spannend unterhalten. Wie Alexandra Huß hier mit Sprache und Ausdruck spielt, hat mir sehr gut gefallen und zeugt von einem schriftstellerischen Talent, dass sicher noch einiges an Potenzial zu bieten hat. Andererseits war mir die Story eine Spur zu vulgär und ließ Authentizität vermissen.


Wer einen kurzweiligen Thriller in rasantem Tempo sucht, wen Brutales und Vulgäres nicht abstoßen und wer gute Nerven hat, der hat mit Weiße Hand wie Schnee eine verstörende Story vor sich, die bis zu Letzt spannend unterhält.




Erscheinungsdatum Erstausgabe: 01.05.2016
Aktuelle Ausgabe: 01.05.2016
Flexibler Einband 212 Seiten

Sprache: Deutsch

Kommentare:

  1. Ich muss dieses Buch einfach lesen!

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    1. Dann greife zu ;-). Ich garantiere dir spannende Lesestunden.

      Liebe Grüße

      Nisnis

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    2. ist auch sofort auf die Wunschliste gewandert :)

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    3. Klasse. Genau auf diese Weise wächst meine Wunschliste auch immer so rasant *augenverdreh*.

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  2. Hm... ok... Von deiner Beschreibung her nicht so mein Buch. Vulgäre Situationen müssen manchmal auch so beschrieben werden, aber hier scheint sich die Autorin ein bisschen zu arg ausgetobt zu haben. Wer's mag. Da denke ich mit Wehmut an Stig Larsson, der in solchen Momenten perfekt die Balance hielt.
    Aber eine Frage habe ich noch: Was bitte soll das auf dem Cover darstellen? Davon abgesehen, dass man (zumindest ich) es nicht erkennen kann, aber der Stil sieht mir auch zu sehr nach selbst gemalt aus.

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    1. Lieber Jürgen,

      inhaltlich passt dieser Ausdruck definitiv. In der Welt dieser Geschwister passt es so gut, wie die Faust aufs Auge. Nur jeder hat seine persönlichen Vorlieben für einen bestimmten Ausdruck.

      Das Cover stellt die Älteste der Geschwister dar, die tatsächlich alle rote Haare haben. Und ja, das Cover ist von der Schwester der Autorin gestaltet worden.

      Viele Grüße

      Anja

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    2. Liebe Anja,
      ich muss schmunzeln. Jetzt, mit deiner Erklärung, erkenne ich eine Person. Aber bei aller Liebe... in einem Krimi erwarte ich Ratespiele IM Buch, nicht AUF dem Buch. Da wäre ein professionell gemachtes Cover vielleicht dann doch besser gewesen. Aber das muss ja jeder Autor für sich entscheiden :)
      Liebste Grüße,
      Jürgen

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  3. Hört sich eher nach Horror als nach Thriller an. ;o)
    Horror mag ich auch, könnte mir also auch gefallen. Ich denke mal drüber nach.

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    1. Liebe Manuela,

      soll ich ihn auf die Reise zu dir schicken? Mach ich gern. Gib Laut :-)

      Liebe Grüße

      Nisnis

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  4. Hey meine Feine!
    Mit dem Buch hatte ich schon mal geliebäugelt, zunächst aber wieder verworfen ... Dank dir, wandert es jedoch umgehend auf die WuLi!
    Liebe Grüße (=

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    1. Hey crumb,

      schau, da hab ich quasi deine Gedanken aufgeräumt ;-).

      Liebe Grüße

      Nisnis

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  5. Ach man, jetzt bin ich doch etwas enttäuscht.
    Alleine von der Beschreibung her würde ich das Buch sofort lesen wollen, aber wenn sich der Erzählstil so durch's ganze Buch zieht, dann verzichte ich lieber. Ich habe absolut keine Probleme mit Blut und Gedärme, aber ich finde, dass ein wenig Eleganz noch dabei sein wollte...

    Wirklich schade.

    Liebe Grüße
    Sas

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  6. Liebe Sas,

    so sehe ich das auch. Ich lese wirklich brutale Thriller und halte einiges aus, doch vulgäre Sprache ist mir ein Graus. Dieser Ausdruckt zieht sich nicht vollständig durch die Geschichte, aber er post immer wieder auf. Und es passt hier in der Geschichte.

    Liebe Grüße

    Nisnis

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    1. er poppt immer wieder auf, sollte es heißen!

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    2. Selbst wenn es passt, finde ich es irgendwie unnötig. Vielleicht bin ich einfach prüde, aber mir stößt das immer auf und ich verziehe beim Lesen das Gesicht...

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    3. Ich stimme dir absolut zu und bekomme vom Gesicht verziehen Falten ;-). Spaß bei Seite, ich mag es nicht und kann es nur sehr schwer tolerieren.

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  7. Tolle Rezi! Das Buch hatte ich auch schon ins Auge gefasst, nun werde ich es erstmal nur im Hinterkopf behalten! Vulgäre Sprache ist im Moment nicht so meins, auch wenn die Geschichte mich nach wie vor reizt.

    LG Tanja

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    1. Liebe Tanja,

      ich stimme dir zu, nicht immer ist man für alles offen, die Leselaune spielt immer eine starke Rolle in der Entscheidung, welches Buch als nächstes zu lesen.

      Viele Grüße

      Nisnis

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