Kriminalroman - Das Ende aller Geheimnisse von Stefan Keller

06 Februar 2017

Ein gelungener Reihenauftakt 

Der 1. Fall für Kommissarin Heidi Kamemba

Einen guten Start hat die junge Kriminalkommissarin Heidi Kamemba nicht, als sie ihren Dienst im Düsseldorfer Kriminaloberkommissariat antritt. Ihre neuen Kollegen sind zurückhaltend bis garstig und schüren eine unangenehme Stimmung im Team. Alle scheinen etwas zu verbergen und geben sich äußerst wortkarg. Niemand von ihnen will über Heidi Kamembas Vorgänger sprechen, der sich Gerüchten zufolge mit seiner Dienstwaffe erschossen haben soll.

Unfreiwillig gerät Heidi Kamemba in einen Medienrummel um ihre Person, da sie die erste schwarze Kommissarin in Deutschland ist und das ist ein weiterer Punkt, den ihr die Kollegen verübeln.

An ihrem ersten Tag nimmt die Kommissarin die Ermittlungen zu einer in einem Waldstück aufgefundenen, verkohlten Leiche auf, doch Unterstützung findet sie im neuen Team kaum. Während man Heidi Kamemba genauestens auf die Finger schaut, lässt sie sich in ihren Ermittlungen nicht beirren und stößt bald auf hoch brisante Spuren.


Stefan Keller, geb. 1967 in Aachen, ist Schriftsteller und Dozent. Nach seinem Studium der Germanistik und Betriebswirtschaft arbeitete er als freier Mitarbeiter für die Wirtschaftsredaktion der Deutschen Welle, als Dramaturg und als Autor und Lektor – vornehmlich für Filmproduktionen und TV-Sender. Daneben lehrt er an der Universität zu Köln kreatives Schreiben. Stefan Keller lebt in Düsseldorf. (Quelle: Rowohlt Verlag)


Der Kriminalroman Das Ende aller Geheimnisse wird, kaum auf dem Markt, schon als Geheimtipp gehandelt und ich kann dies nur bestätigen. In sehr angenehmer Sprache und mit einem klaren Ausdruck lässt Stefan Keller den Leser flüssig durch die Seiten gleiten. Sein Blick nach rechts und links rundet ein Kapitel nach dem anderen harmonisch ab und damit zaubert er ein interessantes Gesamtpaket und schreibt sich in mein Leserherz. Blumige Sprache oder Detailverliebtheit sucht man vergebens und dennoch ist das Geschriebene des Drumherums besonders ansehnlich.

Die Geschichte der dunkelhäutigen Heidi Kamemba berührt maßvoll das Thema ethnische Minderheit, Ausländerfeindlichkeit und Diskriminierung am Arbeitsplatz. Heidi besitzt kongolesische Wurzeln. Sie leidet zwar etwas unter diesen teils rassistischen Anfeindungen, doch glücklicherweise ist sie eine starke Persönlichkeit, die taff ihren Weg geht und dem Thema emotional nicht viel Beachtung schenkt.

Sie knuspert mehr daran, dass ihre neuen Kollegen nicht offen mit ihr über die Umstände des Todes ihres verstorbenen Vorgängers reden. Also beginnt Heidi auf eigene Faust zu ermitteln und das tut sie kompetent, obwohl sie noch eine blutige, wenn auch schon mit Auszeichnungen geehrte, Anfängerin ist.

Die Konflikte die hinsichtlich Heidis Hautfarbe in diesem Kriminalroman ausgetragen werden, hat Stefan Keller gut gezeichnet, ohne sie zum Aufhänger des Buchs zu machen. Als Leser wäre ich hier gern noch tiefer in die brennend aktuelle Thematik eingetaucht, doch Stefan Keller stellt die kriminalistische Handlung in den Vordergrund, dessen Spannung und Tempo sich immer mehr steigert. Des Weiteren widmet er sich deutlich der Entwicklung des Teams und der Integration von Heidi Kamemba. Überraschende Wendungen runden diesen facettenreichen Kriminalroman ab, doch nicht alle offenen Fragen werden aufgelöst.

Die Charaktere der Polizisten, die Heidi scheinbar nicht in ihrem Team akzeptieren wollen sind fein ausgearbeitet. Es präsentieren sich interessante, glaubhafte Lebensläufe, aber die Figuren geben zunächst viele geheimnisvolle Rätsel auf. Erst mit der Entwicklung der Handlung, erfährt der Leser, wer harmlos ist oder wer ein gefährliches Spiel spielt.

Ganz ohne Zwischenmenschliches kommt dieser Kriminalroman nicht aus, denn Heidi ist leiert, vorübergehend Strohwitwe und doch ergibt sich eine unerwartete Liaison.


Das Ende aller Geheimnisse ist ein gelungener Reihenauftakt. Stefan Kellers schriftstellerisches Talent hat einiges an Potenzial zu bieten und lässt auf einen spannenden zweiten Teil um die Kommissarin Heidi Kamemba hoffen.


Autor: Stefan Keller


Erscheinungsdatum Erstausgabe: 20.01.2017
Aktuelle Ausgabe: 20.01.2017
Flexibler Einband 336 Seiten

Sprache: Deutsch

Kommentare:

  1. Wieder eine tolle Rezi, die mich echt neugierig macht! Und als Düsseldorferin muss ich dieses Buch dich direkt auf meine Wunschliste setzen.

    LG Tanja

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    1. Liebe Tanja,

      du findest jedoch nicht viel Lokalkolorit, aber ich bin mir sicher, dieser Krimi würde dir trotzdem gefallen :-).

      Liebe Grüße

      Nisnis

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  2. Hallo,

    das könnte auch meinen Lesegeschmack treffen, ich werde den Krimi mal vormerken.

    Liebe Grüße
    Barbara

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    1. Liebe Barbara,

      er wird dir sicher gefallen.

      Viele Grüße

      Nisnis

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  3. Das Buchcover spricht ja schon mal sehr an & deine Rezi macht neugierig auf das Buch!
    Mal sehen ob und wann, aber WuLi auf jeden Fall!
    Schön das dir das Buch so gefiel.

    Liebe Grüße lasse ich dir da

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    1. Liebe crumb,

      ja, unsere Wunschlisten wachsen langsam ins unermessliche.

      Liebe Grüße

      Nisnis

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  4. Hallöchen meine Liebe,
    Das hast du ja mal wieder richtig schön geschrieben. Ich mag deine Rezensionen wirklich gern. Und das Buch klingt ja echt nach einem tollen Auftakt. Ich mag den Aspekt, dass die Kommissarin die erste Schwarze in Deutschland ist. Ist eine interessante Idee, die ich so noch nie bei einem Krimi gelesen habe. Klingt spannend.

    Liebe Grüße,
    Julia

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    1. Liebe Julia,

      ich danke dir. Die Thematik hätte nach meinem Geschmack noch etwas mehr inhaltliches darbieten können, aber wer weiß, vielleicht lesen wir dazu etwas im zweiten Teil.

      Liebe Grüße

      Nisnis

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    2. Ja, ist aber finde ich immer ein Balanceakt, das Hintergrundthemen nicht zu viel Raum neben dem eigentlichen Fall einnehmen...

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  5. Oh, eine neue Krimireihe! Sagte mir noch gar nichts. Das muss ich direkt mal meinem Mann erzählen. Wir haben beide schon mal in Düsseldorf gewohnt.
    Weibliche Kommissarin hört sich auch gut an , da gibt es noch zuwenig von.
    Super Tipp!
    Grüße
    Silvia

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    1. Liebe Silvia,

      ich mag Reihen auch sehr gern, denn man darf sich nach einem gelungenen ersten Teil, dann verlässlich auf weitere spannende Stunden freuen.

      Liebe Grüße

      Nisnis

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