Thriller - Selfies 7. Fall des Sonderdezernats Q von Jussi Adler Olsen

06 April 2017

Eskalierende Pläne

Der siebte Fall für das Sonderdezernat Q 

Kommissar Carl Mørk und sein Assistent Assad ermitteln weiter an Fällen, die vor Jahren von den Kollegen der Mordkommission, jenseits des Kellerbüros, nicht abschließend aufgeklärt werden konnten. Dabei entdeckt Carl Mørk Verbindungen zu einem aktuellen Fall, der durch zahlreiche Verstrickungen die Ermittlungen erschwert und intern zu einem erneuten Konkurrenzkampf unter den Kollegen führt und eskaliert.

Zeitgleich erkrankt die psychisch angeschlagene Assistentin Rose, die an den düsteren Erinnerungen ihrer Vergangenheit seelisch zu zerbrechen droht. Als Carl und seine Kollegen das ganze Ausmaß überschauen, wird Ihnen bewusst, wie sehr sie ihre Kollegin schätzen, doch diese Erkenntnis kommt fast zu spät, denn Rose will ihrem Leben ein Ende setzten.


Parallel erhält Sozialarbeiterin Anneli eine fatale Diagnose und wiedersetzt sich den bürokratischen Mühlen des Sozialsystems. Die ihr anvertrauten jungen Frauen Michelle, Jasmin und Denise kann sie auf Grund ihrer Schickimicki-Verhaltensweisen und Lebenseinstellungen einfach nicht mehr ertragen. Sie will ausbrechen aus dem System und plant ein Verbrechen nach dem anderen


Jussi Adler-Olsen wurde am 2. August 1950 unter dem bürgerlichen Namen Carl Valdemar Jussi Henry Adler-Olsen in Kopenhagen geboren. Er studierte Medizin, Soziologie, Politische Geschichte und Film. Bevor er 1995 mit dem Schreiben begann, arbeitete er in verschiedensten Berufen: als Redakteur für Magazine und Comics, als Koordinator der dänischen Friedensbewegung, war Verlagschef im Bonnier-Wochenblatt TV Guiden und Aufsichtsratsvorsitzender bei verschiedenen Energiekonzernen. Sein Hobby: Das Renovieren alter Häuser. Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes. (Quelle: dtv Verlag)


Jussi Adler Olsen braucht für mich einfach nur schreiben, ich akzeptiere Längen, unlogische Zusammenhänge, Offengelassenes und weithergeholte Ermittlungsmethoden. Ich bin diesem Autor einfach verfallen, denn er versteht sein Handwerk und er erreicht mich damit immer wieder aufs Neue.

Butterweich, klar und deutlich ist sein Schreibstil. Sein Ausdruck ist nüchtern und ehrlich, manchmal salopp. Er schreibt scheinbar mühelos mehr als 500 Seiten starke Thriller und am Ende fließen alle Perspektiven und Erzählstränge ineinander und kreieren eine äußerst harmonisch kompakt gezeichnete Geschichte, die mit einigen Blutstropfen einhergeht.

Zugegebenermaßen gelingt Jussi Adler Olsen der Spannungsaufbau in diesem 7. Teil des Sonderdezernats Q nicht zuverlässig. Die Spannungskurve reißt immer mal wieder ab und es kommt zu Längen, aber wenn man das akzeptiert hat und seine verwöhnten Erwartungen an diesen Thriller etwas zurückgeschraubt hat, dann liest man einen wirklich guten Thriller.

Besonders gelungen sind Jussi Adler Olsen die Querverbindungen und die Verstrickungen der Figuren. Erst sehr spät erkennt man als Leser, welche Figuren mit welchem Verbrechen in Einklang und Zusammenhang zu bringen sind und der Weg dorthin produziert Lesespaß, da man selbst im Ermittlungsfieber ist.

Die Figuren, allen voran Carl Mørk und Assad, sind außergewöhnliche und interessante Charaktere, doch in diesem 7. Fall hätte ich mir noch mehr von den gewohnt erfrischenden Anekdoten gewünscht, die insbesondere die Figur Assads so lebendig macht.

Assistentin Rose übernimmt in diesem Thriller eine tragende Rolle. Psychisch stark angeschlagen und gewollt abgekapselt von ihrem Umfeld, zeichnet Jussi Adler Olsen eine Figur, die sehr emotional unterhält. Nicht alle psychologischen Verhaltensweisen sind nachvollziehbar und authentisch dargestellt, aber sie erzeugt eine große Empathie. Wie die Kollegen plötzlich um ihre Kollegin Rose kämpfen berührt sehr, niemals hätte ich Carl und Assad die Fähigkeit zugesprochen, so große Emotionalitäten empfinden zu können.

Sozialarbeiterin Anneli, ebenso ein großer Charakter, der aber nur zunächst überzeugt. Sie ist es leid Sozialschmarotzer zu betreuen, sie will sich gegen die bürokratischen Richtlinien im Sozialamt aufbäumen und nach dem sie eine fatale Diagnose gestellt bekommen hat, sind ihr alle möglichen Konsequenzen gleichgültig.

Den Part, wie sich Anneli selbst hochschaukelt, während sie drei junge Frauen betreut fand ich richtig gut und authentisch. Die drei legen nur Wert auf ihr Äußeres, wollen nicht arbeiten und sind nicht bereit sich in die Gesellschaft zu integrieren. Eine der jungen Frauen geht dabei so weit, dass sie sich schwängern lässt, die Babys nach der Geburt zur Adoption frei gibt, um Jobvorschläge ablehnen zu können und Sozialhilfe zu erhalten. All das ist gut inszeniert, doch als dann die Nerven bei Anneli blank liegen, überspitzt die Story recht maßlos. Ein Weniger wäre in diesem Zusammenhang ein bereicherndes Mehr gewesen.

Trotz meiner kritischen Anmerkungen hat mich Selfies gut und spannend unterhalten. Jussi Adler Olsens Schreibstil liegt mir sehr, sodass ich sehr zügig durch die Seiten gelesen habe, auch wenn er seine Erzählkunst diesmal nicht voll ausgeschöpft hat.


Selfies, der 7. Fall des Sonderdezernats Q, ist erneut ein spannender Thriller Jussi Adler Olsens, doch dieses Mal überzeugt er nicht auf ganzer Linie. Vielleicht lag es an meiner etwas überschätzten Erwartungshaltung, aber trotzdem habe ich diesen Thriller wieder einmal sehr gern gelesen.


Titel: Selfies

Erscheinungsdatum Erstausgabe: 10.03.2017
Aktuelle Ausgabe: 10.03.2017
Fester Einband 576 Seiten

Sprache: Deutsch

Kommentare:

  1. Deine Rezi habe ich wie immer her gelesen! Diesmal ist es aber kein Buch für meine Wunschliste, denn es durfte schon bei mir einziehen. Meine Erwartungen habe ich schon runtergeschraubt und werde das Buch dann einfach mal auf mich wirken lassen.

    LG Tanja

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    1. Liebe Tanja,

      wer Fan ist bleibt Fan, da gibt es nichts dran zu rütteln. Er ist nur nicht ganz so stark wie gewohnt, aber dennoch sehr lesenswert.

      Liebe Grüße

      Nisnis

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  2. Dabke für diese tolle Rezension :-) Da ich auch ein grosser Fan vom Sonderdezernat Q bin kann ich mich gut auf Selfies einstellen

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    1. Liebe Birgit,

      vielen Dank für deinen Besuch. Es freut mich sehr, dass dass dich die Rezension gut vorbereitet. Ich wünsche dir sehr viel Lesefreude.

      Liebe Grüße

      Nisnis

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  3. Eine Super- Rezension, liebe Anja. Ich mag seine Bücher auch so sehr und kann das "Verfallensein" sehr gut nachempfinden. Für mich war er mein Retter nachdem ich den dritten Stieg Larsson gelesen hatte. Ich bin in eine Buchhandlung gegangen und schaute mich um. Da fragte mich die Buchhändlerin, ob sie mir helfen könne. Ich antwortete: ich glaube nicht, ich leide unter sehr starken Entzugserscheinungen, denn Stieg Larsson ist tot und ich habe nichts mehr zu lesen. Und da empfahl sie mir Jussi Adler Olsen, der erste Band war gerade erst heraus gekommen.😊
    Lieber Gruß Marianne

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    1. Liebe Marianne,

      Dankeschön für deine lieben Worte. Von Stieg Larsson hätte ich ebenso noch hundert Bücher lesen können und ich war ebenso traurig, als er verstorben ist.

      Kennst du auch das Alphabethaus? Das könnte ich dir auch sehr empfehlen.

      Liebe Grüße

      Nisnis

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    2. Ja, das kenne ich auch und was auch sehr spannend ist: Das Washington Dekret. 😊
      Lieber Gruß Marianne

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    3. Fein, wir sind wieder einmal einer Meinung :-). Das Washington Dekret? Ich bin tatsächlich unsicher, ob ich es gelesen habe. Ich schau gleich mal in mein Bücherregal :-).

      Liebe Grüße

      Anja

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  4. Hallo Anja :) Sehr interessante und wie immer toll geschriebene Rezension. Ich habe schon öfter Rezis über die Bücher des Autoren gelesen, muss aber zugeben das ich noch nie ein Buch von ihm gelesen habe und grad bemerkt habe, das "Erlösung" in meinem Regal steht. Weißt du ob das auch zu dieser Reihe gehört? Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!

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    1. Liebe Anja,

      da behaupte ich jetzt mal ein bisschen frech, dass dir ein großes Lesevergnügen entgangen ist. Aber, dass kannst du natürlich schnell nachholen ;-). Ja, Erlösung ist der 3. Fall des Sonderdezernats Q. Ich würde dir aber gern ans Herz legen wollen, dass du mit dem ersten Teil beginnst, damit du vollumfänglich genießen kannst.

      Ich freue mich immer sehr über deine Kommentare und dass dir meine Rezensionen gefallen. Das motiviert mich sehr, genau so weiter zu machen.

      Liebe Grüße

      Anja

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    2. Da werde ich jetzt gleich mal nach Teil 1 schauen und bestellen und bin mal gespannt. Danke für deine lieben Worte!

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  5. Hallo Nisnis,
    deine Rezensionen sind ja immer sehr treffend und differenziert, da kann ich immer gut abschätzen, ob das Buch meinen Geschmack trifft. Aus der Reihe habe ich vor einiger Zeit die beiden ersten Bände gelesen, danach war das Verlangen nach weiteren Bänden nicht sehr groß, obwohl ich die beiden Protagonisten sehr gelungen finde. Veilleicht werde ich ja doch noch irgendwann weiter lesen. Vielen Dank jedenfalls für die ausführliche Vorstellung hier.
    Liebe Grüße
    Thomas

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    1. Lieber Thomas,

      es freut mich sehr, dass du meine Rezensionen so empfindet und das motiviert mich natürlich auch sehr. Dabei ist diese hier doch recht salopp ;-).

      Mir fehlen auch nich zwei Teile, die ich noch lesen möchte, obwohl sie ebenso etwas schwächer sind, als die ersten.

      Viele liebe Grüße

      Nisnis

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  6. Liebe Anja,

    *lach* ich habe plötzlich das Bedürfnis einen Krimi zu lesen. Man spürt, dass Du ein großer Fan bist und das macht Lust, das Buch direkt mal auszuprobieren.
    Neben Fitzek fällt Olsen mir aus der Sparte am meisten auf. Wobei ich nochmal nachfragen muss: Handelt es sich um einen Krimi oder um einen richtigen Thriller?
    Früher habe ich ja auch ganz gerne Krimis gelesen. Für eine Challenge musste ich jetzt erneut ein Krimi lesen. Nele Neuhaus hatte ich abgebrochen und durch Wallander habe ich mich echt durchgequäult und das, obwohl ich seine CDs immer super lustig finde. Auf der Challenge steht noch ein skandinavischer Krimi. Da werde ich wohl zu Wallander greifen. Den mochte ich früher immer sehr gerne.

    Aber zurück zu Selfie. Ich werde Olsen mal auf meine imaginären Liste setzen. Die Charaktere hören sich ja allesamt spannend an.
    Anneli - krass, oder?! Ob Leute real wirklich so drauf sein können?

    Es war auf jeden Fall ein Genuß, Deine Rezi zu lesen, weil man Deine Begeisterung spürt. Und wenn jemand was mit Begeisterung schreibt,macht es immer Spaß, es auch zu lesen.

    Ich wünsche Dir eine wundervolle Woche!
    Lilly

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    1. Hey liebe Lilly,

      Wallander habe ich tatsächlich nie gelesen, muss ich gestehen. Die Bücher sind ja auch schon etwas älter und damals habe ich nie ein Buch gelesen, wenn ich den Film schon kannte. Heute sehe ich das aber anders.

      Jussi Adler Olsen schreibt Thriller und sie sind nicht ohne. Wenn du aber wirklich Lust auf Olsen hast, dann musst du unbedingt den ersten Teil der Reihe lesen, denn darin beginnt die wunderbare Charakterzeichnung der Hauptfiguren.

      Anneli, na ich hoffe nicht, dass es davon welche im Real Life gibt, aber das was Anneli in ihrem Amt erlebt, das gibt es tatsächlich.

      Sei besonders lieb gegrüßt,

      Nisnis

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