Jugendroman - Anschlag von rechts von Reiner Engelmann

31 Mai 2017

Verachtenswerte Fremdenfeindlichkeit 

Roman nach einer wahren Begebenheit

Flüchtlinge aus Afghanistan, Somalia, Syrien, Pakistan und Simbabwe erreichen nach einer jeweils dramatischen Flucht Deutschland. Sie alle kommen in demselben Asylbewerberheim unter, auf das drei rechtsgesinnte Jugendliche einen kaltblütigen Brandanschlag verüben.

Reiner Engelmann recherchiert die Hintergründe dieser schrecklichen Tat. Er analysiert die Beweggründe und er befragt die Opfer, die sich in Deutschland endlich sicher gefühlt hatten. Dabei wird deutlich: rechtes Gedankengut und Fremdenfeindlichkeit sind in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen und viel zu lange unbeachtet geblieben. (Quelle: cbj Verlag)




Reiner Engelmann wurde 1952 in Völkenroth geboren. Nach dem Studium der Sozialpädagogik war er im Schuldienst tätig, wo er sich besonders in den Bereichen der Leseförderung, der Gewaltprävention und der Kinder- und Menschenrechtsbildung starkmachte. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Anthologien zu gesellschaftlichen Brennpunktthemen und seit 1969 aktiv bei amnesty international. Bei cbj sind bereits erschienen: "Der Fotograf von Auschwitz" und "Wir haben das KZ überlebt".


Reiner Engelmann hat einen real verübten Anschlag auf ein Flüchtlingsheim zum Anlass genommen, um einen Jugendroman zu verfassen. Ab einem Alter von 13 Jahren, eignet er sich großartig dazu, Jugendlichen vielschichtig aufzuzeigen, warum es zu einer Flüchtlingswelle gekommen ist, die unser Land scheinbar überschwemmt. Er erläutert eben auch das Warum, womit sich viele nicht im Detail beschäftigen wollen. Einerseits weil kein echtes Interesse besteht, andererseits aus Faulheit oder um Emotionen nicht zuzulassen. Ganz nach dem Motto, Flüchtlinge nehmen sich ein Stück unseres Wohlhaben-Kuchens, provozieren sich Menschen gegenseitig dazu, ihre unkontrollierte Wut auf Alles und Jeden gegen die bedauernswerten Menschen zu richten, die sich in Gänze das Gefühl von Ruhe und Sicherheit für ihre Familien herbeisehnen. 

Kurz und knapp, aber nicht weniger eindrucksvoll erzählt Reiner Engelmann die Geschichten von Flüchtlingen aus Afghanistan, Somalia, Syrien, Pakistan und Simbabwe, ohne die Emotionalität dieser Menschen in den Vordergrund zu rücken. Er beschreibt kurz und sachlich, warum sie fliehen mussten und wie sich ihre Flucht gestaltet hat. In diesem Roman finden alle Geflüchteten eine Unterkunft in dem gleichen Asylbewerberheim, auf das dann ein kaltblütiger Anschlag von rechtsgesinnten Jugendlichen ausgeführt wird und er erzählt, wie die Bewohner den Anschlag erleben.

Wenn ihr den Krieg
beenden wollt,
sendet Bücher statt Waffen.
Sendet Stifte statt Panzer.
Sendet Lehrer statt Soldaten!
(Zitat: Malala Yousafzai)

In diesem Roman wird deutlich nüchtern geschildert, dass dieses gegenseitige, rechte hochpushen in der Gesellschaft, oft dort stattfindet, wo naive Persönlichkeiten und noch ungefestigte Jugendliche aufeinandertreffen. In dieser Geschichte sind die Auslöser Alkohol, Arbeitslosigkeit, grundsätzliche Perspektivlosigkeit und ein Mangel an Geltungsbedürfnis, sodass manche unüberlegt einfach nur im Strom der Gewalt mitschwimmen.

Reiner Engelmann belegt mit Zahlen, Daten und Fakten warum auch unsere Politik und die Handlungsweisen der Menschen für den Flüchtlingsstrom mitverantwortlich sind. Im dritten Teil des Romans, geht Reiner Engelmann auch darauf fundiert und gewissenhaft recherchiert ein. 

Das Buch wird abgerundet durch ein Glossar, dass rechte und nationalsozialistische Zeichen aufzeigt und ihre Strafbarkeit erläutert. Auch rechtsorientierte Kleidermarken und Musikbands werden aufgeführt, die das rechtsradikale Gedankengut dieser kranken Seelen in der Gesellschaft unterstreichen sollen.

Reiner Engelmann schreibt in einer einfachen, sachlichen Sprache, die jeder Jugendliche ab 13 Jahren flüssig lesen und erfassen kann. Die Zielgruppe dieses Romans würde ich fast auf Jugendliche begrenzen wollen, da die Handlung für Erwachsene kaum Raum für die erforderliche Tiefe und Intensivität des Themas zulässt, sodass man als Leser gefesselt von der Story wäre. Betrachtet man diesen Roman eher faktisch, kann man den Sog der leider authentischen Geschehnisse in hohem Tempo in sich aufnehmen.

Gelungen sind die Charakterzeichnungen der drei schuldigen Jugendlichen. Ihre jeweiligen, bedauernswerten Existenzen, die unter anderem auch durch Desinteresse des Elternhauses geprägt sind, und ihre labilen Persönlichkeiten, sind glaubhaft dargestellt. Sie lassen den Leser auch schockiert zurück, denn sie sind auch Opfer unserer Gesellschaft.


Gut recherchiert und nüchtern erzählt eignet er sich jedoch hervorragend für die Zielgruppe Jugendliche ab 13 Jahren. Dieser Roman sollte in Schulen zur Pflichtlektüre werden, damit rechtsgerichtetes Gedankengut sich weniger schnell in den Köpfen festigen kann und die vielschichtige Betrachtung einen richtig orientierten Blick auf die aktuelle Situation zulässt. 

Mir persönlich erschien die Handlung für einen Roman nicht intensiv und tief genug und dadurch erscheint sie mir unvollständig. 


©nisnis-buecherliebe

Weitere Rezensionen:






Erscheinungsdatum Erstausgabe: 22.05.2017

Aktuelle Ausgabe: 22.05.2017

Verlag: cbj


Fester Einband 192 Seiten

Sprache: Deutsch

Kommentare:

  1. Liebe Anja,
    eine schöne Rezi, zu einem interessanten Thema! Ich werde mir das Buch mal merken, denn die Thematik spricht mich doch sehr an, allerdings lässt mich dein Kritikpunkt zur Handlung hier doch zögern.

    LG Tanja

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    1. Liebe Tanja,

      als Jugendbuch finde ich es absolut gut und es eignet sich sicher hervorragend, um Schüler für das Thema zu sensibilisieren. Für meinen Genuss hätte ich mir etwas mehr Tiefe und Ausführlichkeit gewünscht.

      Viele liebe Grüße

      Anja

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  2. Danke für den Buchtipp. Man kann gar nicht genug darüber reden.

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    1. Das sehe ich genau so. In der Schule fand ich es für Jugendliche gut platziert.

      Sei lieb gegrüßt,

      Nisnis

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