Thriller - Der Tränenbringer von Veit Etzold

11 September 2017

CANCELED

Die Angst vor dem Unbekannten 

5. Fall für Hauptkommissarin Clara Vidalis

Band fünf der Bestseller-Serie von Veit Etzold: Top-Autor Veit Etzold ist mit seiner Hauptkommissarin Clara Vidalis, Expertin für Pathopsychologie am LKA Berlin, regelmäßig auf der Spiegel-Bestsellerliste. Kaum ein deutscher Thriller-Autor beherrscht die Klaviatur harter, realistischer Spannung so wie er. Ihr fünfter Fall bringt Clara auch persönlich an ihre Grenzen: 

Ein Serienkiller entführt 18-jährige Mädchen und lässt den Eltern Leichenteile zukommen. Die Ermittler schickt er ein ums andere Mal auf eine falsche Spur. Und vor Jahren fiel Claras kleine Schwester einem ganz ähnlich agierenden Wahnsinnigen zum Opfer, der nie gefasst werden konnte … Harte Fälle, schnelle Action – deutsches Setting! (Quelle: Knaur Verlag)

Dr. Veit Etzold ist Autor von sechs Spiegel-Bestseller-Thrillern, die in sieben Sprachen übersetzt wurden. Er studierte internationales Management an der IESE Business School mit Stationen in Barcelona, New York, San Francisco / Silicon Valley und Shanghai. Er arbeitete für die internationale Strategieberatung Boston Consulting Group in Europa, Asien und den USA, Booz & Company, die Allianz Gruppe und als Berater für die globale Bergbaufirma Gaia Mineral Resources und die Investmentholding African Development Corporation in Ruanda, Hong Kong und Peking. Er ist Berater des Auswärtigen Amtes, Mitglied in unterschiedlichen Expertengruppen der Atlantikbrücke und Dozent für Geopolitik an der IESE Business School und an der Singapore Management University. http://www.veit-etzold.de/ (Quelle: Knaur Verlag)


Mühelos gleitet man in die Geschichte hinein, denn Veit Etzolds Schreibstil, so flüssig und angenehm, macht es einem leicht einzutauchen. Die Story beginnt rasant. Ein Junkie taumelt über eine Straße, er hält ein Paket festumklammert in seinen blutverschmierten Händen, ein Autofahrer kann noch rechtzeitig reagieren, aber dann muss ein LKW ausweichen und rast in die Hauswand eines Hotels. Wie durch ein Wunder gibt es bis auf den verwahrlosten Junkie keine Verletzten.

Die ärztliche Versorgung des Junkies wird jäh unterbrochen, als der ungepflegte Mann anfängt um sich zu beißen und von perversen Pfählungen und von dem Tränenbringer faselt. Erkennungsdienstliche Untersuchen bringen hervor, dass der Mann Spuren von Gehirnmasse an den Stiefeln trägt. Bevor man ihn näher befragen kann, muss er aus medizinischen Gründen ins Koma versetzt werden. Als man das Paket öffnet, findet man darin ein paar post mortem abgetrennte Füße.

„Was dazu führte, dass die Menschen in dem Film ihre Hand freiwillig in siedendes Öl steckten. Und dann die frittierte Hand aßen. Eine Frau schnitt sich die Nippel und die Schamlippen ab. Und schließlich schnitt sie sich ihr eigenes Auge aus und aß es. Stopfte all das in sich hinein.“ (Zitat)

Zeitgleich erhält der Vater eines 18-jährigen Mädchens ein Paket, in dem die Nase seiner Tochter, ihr Schlüpfer und ihr Handy liegt. Dann erhält der Vater einen Anruf.

Die taffe Clara Vidalis, Expertin für Forensik und Pathopsychologie des LKA, steht vor einem neuen rätselhaften Fall, der eine Jagd nach dem schlimmsten gesellschaftlichen Abschaum auslöst und sie an ihre persönlichen Grenzen bringt. Noch immer leidet sie unter Schuldgefühlen zum Tod ihrer kleinen, ermordeten und missbrauchten Schwester, die sie nicht beschützen konnte und so kommt sie in große, persönliche Bedrängnis und Not, als sie erfährt, dass sie schwanger ist. Noch immer lebt sie leicht distanziert mit Mac Death zusammen, der sie gern heiraten will. Aber so weit ist Clara noch lange nicht.

Eine zweite Perspektive erzählt die Klischees behaftete Geschichte von Torstens Jugend in den 80er Jahren, der von seiner Mutter seelisch missbraucht wird und nur als Abschaum und Dreck bezeichnet wird. In ihm brodelt es, er steht kurz davor zu explodieren, quält Tiere, aber diese Perspektive steht noch ganz am Anfang.

„Dann sollte der Inkubus mal wieder begnadigt werden, dieser wahnsinnige Killer, der Frauen umgebracht hatte, nachdem er vorher deren Mülleimer durchwühlt und sich aus den benutzten Tampons der Frauen einen Tee gekocht hatte.“ (Zitat)

Wie gewohnt zeichnet Veith Etzold ausgesprochen intensive Charaktere. Rückblicke auf vorangegangene Kriminalfälle, intensivieren noch einmal die Präsenz dieser spannenden Reihe, doch nach 157 Seiten hat mir dieses Wiedersehen gereicht, auch wenn ich die Figuren nach wie vor mochte.

Im Laufe der Handlung geschehen nicht nur brutale Verbrechen, sondern auch Ausflüge in die tiefsten menschlichen Abgründe. Als Thriller-Liebhaber kann ich mit blutigen Fakten sehr gut umgehen und mich schockt so schnell weder Täter noch Tatort, aber das, was ich in diesem Buch an Widerlichkeiten vorfand, ließ es mich nach 160 Seiten zuklappen.

Ich kann nicht verstehen, dass ein Bestseller-Autor so tief in die Kiste des Ekels greifen muss, wenn er mit literarischer Intelligenz gesegnet und mit scheinbarer Leichtigkeit einen Spannungshöhepunkt nach dem anderen zaubern kann, ohne sich eines perversen Wortschatzes bedienen zu müssen. Das nenne ich Kunst. Veit Etzold versteht es, Spannung zu erzeugen, aber mit Der Tränenbringer geht er für mich persönlich einen verbal perversen Schritt in seiner Ausdrucksweise zu weit. 

„Ihr Bauch war von der Brust bis zum Schambein aufgeschnitten. Teile der Innereien fehlten oder hingen aus dem Leib heraus. Dünn- und Dickdarm aber hatte der Täter aus der Bauchhöhle herausgezogen und der Leiche wie einen Strick um den Hals gelegt. „ ... „Erdrosselt mit den eigenen Innereien?“ (Zitat)

Wenn ein Täter von benutzten Tampons Tee kocht bitte, aber Veit Etzold hat es eigentlich nicht nötig, Leser mit Perversionen zu berieseln. Natürlich ist es eine Frage des Geschmacks, ob man bereit ist verbal perverse Sätze in der Form zu lesen, ich bin es nicht.

Da ich das Buch nach 157 Seiten abgebrochen habe, bewerte ich es an dieser Stelle nicht mit Sternen. 


Im 5. Band der Reihe um Hauptkommissarin Clara Vidalis macht sie erneut Jagd nach dem schlimmsten Abschaum der Gesellschaft und stößt dabei an ihre persönlichen Grenzen. Wer es blutig und pervers mag, der ist mit diesem rasanten und klischeebehafteten Thriller in guter Gesellschaft. Für mich persönlich geht Veit Etzold in seiner Ausdrucksweise immer wieder einen Schritt zu weit in Richtung Perversion. Schade eigentlich, denn er wäre literarisch intelligent in der Lage, auf einen derartigen Wortschatz verzichten zu können und würde dennoch eine hochspannende und fesselnde Geschichte erzählen. 

©nisnis-buecherliebe

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Tapsis Buchblog


Autor: Veit Etzold

Erscheinungsdatum Erstausgabe: 01.09.2017

Aktuelle Ausgabe: 01.09.2017

Flexibler Einband 480 Seiten

Sprache: Deutsch

Kommentare:

  1. Von Veit Etzold lasse ich die Finger. Hatte mal ein Buch von ihm, das war ganz okay. Dann habe ich noch zwei gelesen, die fand ich allerdings unterirdisch. Und deine Rezi klingt auch nicht gerade so, als wäre Der Tränenbringer (aber guter Titel!) was für mich ...

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    1. Liebe Denise,

      es war auch nicht mein erster Etzold und es war auch nicht der erste von ihm, der mich nicht überzeugte.

      Sag, wann darf man denn deinerseits mit Lesenachschub rechnen?

      Viele liebe Grüße

      Anja

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  2. Ich muss mich mal outen: Ich habe noch kein einziges Buch von Etzold gelesen. Und das obwohl er mir schon sooo oft empfohlen wurde, gerade wenn ich wieder meine "härteren" Lesephasen hatte.

    Momentan sitze ich an einem Beitrag, der sich um abgebrochene Bücher dreht. Noch weiß ich nicht, ob ich meine abgebrochenen Bücher im Blog auch vorstellen werde, da bin ich noch am Überlegen.
    Aber was mir hier bei dir gerade auffällt: Posts über abgebrochene Bücher können echte Empfehlungen sein :-).

    So wie es scheint, ist Tränenbringer wohl sein Werk mit den ekeligsten Beschreibungen? So schnell ekelt mich ein Autor nicht raus aus dem Buch, immerhin habe ich "Feuchtgebiete" durchgehalten *lach* :-).
    Und mich juckt es, es scheint ja weit über die Grenzen des Haltbaren hinaus zu gehen.

    Tja, mit Ekel kann man mich nicht abschrecken. Aussteigen würde ich, wenn das alles reiner Unterhaltungsfaktor ist, ohne dass die Figuren darauf ausgelegt sind, ohne dass es wenigstens ein bisschen glaubhaft ist, dass die Figur das tut was sie tut. Das wäre für mich ko Kriterium.
    Oder die Möglichkeit zu einem Verriss. :-)

    Ich habe es mir mal vorgemerkt. Danke für deinen Beitrag!

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    1. Liebe Iris,

      absolut, ein Abbruch kann für andere eine Empfehlung sein. Trotzdem glaube ich nicht, dass du mit Der Tränenbringer eine "härtere" Lesezeit gut ausfüllst, denn du liebst es ja nun schon auch gern anspruchsvoll inklusive Niveau.

      Der Tränenbringer ist das zweite Buch in diesem Jahr dass ich abgebrochen habe und interessanter Weise thematisch aus den selben Gründen. Ich finde eine Besprechung für ein abgebrochenen Buch informativ und einen Mehrwert, wenn sachliche Kritik zu erwarten ist. Auch die Bücherwelt ist nicht immer rosig und ich finde es für meine Leser schon auch wertvoll, wenn ich ihnen berichte, warum mich ein Buch nicht überzeugt hat.

      Feuchtgebiete. Aha, Respekt, liebe Iris, grins. Ich bin wirklich sehr hart im Nehmen, aber ich brauche irgendwie eine Verpackung, eine Figur oder entsprechende Situationen, in die Ekel und Perversion passen. Wenn es aber beispielsweise fünf verschiedene, unabhängige Perspektiven sind und in allen verbale Perversionen unabhängig voneinander zum Ausdruck kommen, dann ist das erst einmal inakzeptabel und unglaubwürdig.

      Lass es mich wissen, ob du zugreifst :-).

      Übrigens, ich bin wirklich total happy, dass das Kommentieren nun funktioniert.

      Herzliche Grüße

      Anja



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    2. Ich gebe dir bescheid, sollte ich es lesen! Und ja, dafür, dass ich Feuchtgebiete durchgehalten habe, habe ich wirklich Respekt verdient. ��
      Freue mich auch, dass nun das Kommentieren klappt. Hat ja auch laaange gedauert, herauszufinden, dass es mit dem Wordpress.com-Account geht, mit den anderen versuchten Möglichkeiten nicht. Jetzt hast du mich an der Backe! ��

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    3. Och, ich hab dich gern an der Backe :-)

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  3. Hallo liebe Nisnis :)
    also die Rezension ist wieder einmal total perfekt ausgearbeitet, ich lese Deine Texte so gerne:)
    Leider muss ich bei diesem Buch passen. Der Autor ist mir bereits bekannt, da ich schon auf anderen Blogs von ihm gelesen habe, aber das Buch ist nichts für mich.
    Tut meinem SUB-Stapel aber auch mal ganz gut!
    Liebste Grüße und einen schönen Tag
    Andrea

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    1. Liebe Andrea,

      es ist so schön, dass du immer wieder hier bist und so fleißig kommentierst. Und ich freue mich so sehr, wenn du meine Rezensionen mit deinen Worten wertschätzt. Das ist ein super guter Motivationsschub genau so weiter zu machen. Dankeschön.

      Viele liebe Grüße

      Nisnis

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  4. Hallo Nisnis,

    ich liebe ja die Clara Vidalis Reihe und kann ebenso gut mit Gewalttaten und blutigen Details (in Büchern !!) umgehen. Aber die von dir ausgewählten Zitate und Anmerkung von gequälten Tieren (ich habe selbst zwei Katzen) gehen für mich gar nicht. Deshalb werde ich dieses Buch definitiv NICHT lesen. Auch stimme ich deiner Meinung zu, dass Hr. Etzold so etwas nicht nötig hat.

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Lieber Uwe,

      ich freue mich sehr über deinen Besuch ;-).

      Bei mir ist irgendwie das Fass übergelaufen. Ich habe mich plötzlich gefragt, warum ich mir so einen Mist antun soll und glaub mir, das Zitat mit Kätzchen war noch fast harmlos und noch nicht zu Ende.

      Ich kann sehr viel ab, ich liebe starken Tobak, aber bitte, ein bisschen Niveau darf schon sein. Vor kurzem habe ich ein Buch von Rainer Löffler gelesen, das war ebenso in seiner Ausdrucksweise einfach nur widerlich und auch er kann wirklich gigantisch gut und rasant schreiben. Ich glaube nicht, dass die Masse auf derartige und perverse Geschmacklosigkeiten steht und so ist es für mich nicht nachvollziehbar, wenn Autoren zu diesen Ausdruckselementen greifen.

      Knuddle deine Kätzchen von mir ;-).

      Nisnis

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    2. Sehr gerne liebe Nisnis und ich kann dich sehr gut verstehen!

      Das Knuddeln mache ich ebenfalls gerne ;)

      LG Uwe

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    3. Und bevor nun wieder etwas dazwischen kommt, komm ich jetzt erst einmal bei dir stöbern. Ich sehe auf Facebook zwar deine fleißigen Rezis, aber meistens fehlt mir die Zeit.

      Bis gleich,

      Nisnis

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  5. Liebe Anja,
    das Buch klingt ja eigentlich ganz nach meinem Geschmack. Allerdings habe ich von Veit Etzold bis jetzt noch nichts gelesen und wie Printbalance schon schrieb, der Wunschliste oder dem SuB tut das mal ganz gut ;-) Man muss einfach nicht alles lesen!
    Liebe Grüße
    Kerstin

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    1. Liebe Kerstin,

      ja genau, alles muss man nicht lesen und ich war nicht mehr bereit weiterzulesen. Ein Buch abzubrechen kommt bei mir maximal zweimal im Jahr vor, aber bei diesem war mir meine Lesezeit viel zu schade.

      Liebe Grüße

      Anja

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  6. Liebe Anja,
    ich muss gestehen Veit Etzold ist mir noch unbekannt, wollte ihn aber immer mal antesten. Eigentlich klingt es erstmal nach einem Buch was mich ansprechen könnte, aber die Ausdrucksweise kann einem ein Buch schon verleiden. Danke für deine Besprechung, denn ich finde es immer interessant warum Bücher auch mal abgebrochen werden. Ich werde Etzold bestimmt mal antesten, aber bestimmt nicht mit diesem Werk.
    Liebe Grüße
    Tanja

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    1. Liebe Tanja,

      Veit Etzold schreibt schon nach unserem Geschmack und ich finde es gut, dass du seinen Stil mal antesten möchtest.

      Es ist alles eine Frage des Geschmacks und das hat nichts damit zu tun, ob man starken Tobak lesen mag oder nicht. Du weißt wie blutig ich es mag ;-). Mir war diese teilweise abartige Ausdrucksweise irgendwann so zuwider, dass ich es einfach nicht mehr weiter lesen wollte.

      Ich lese gerade John Harte "Redemption Road". Ein perfektes Beispiel für schaurige Tatorte und brutale Verbrechen, aber auf einem literarisch hohen Niveau, ohne sich einer perversen Sprache zu bedienen.

      Viele liebe Grüße

      Anja

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  7. Ich habe dir ja schon auf FB geschrieben, ich mag ja Horror, auch gern mal eklig, aber nicht in Thrillern oder Krimis. Und das Buch hört sich nach Horror pur an. Ich glaube ich hätte das auch abgebrochen,aber ich breche ja auch Krimis ab in denen zu viel geliebt wird. ;o)

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    1. Liebe Manuela,

      da bin ich ganz bei dir. Zu viel Liebe in Thriller und Krimis finde ich äußerst deplatziert, so wie in Der Tränenbringer die perverse Ausdrucksweise.

      Viele Grüße

      Anja

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