Kriminalroman - Heldenflucht von Jan Kilman

24 Januar 2018

Nachkriegsdrama

Spannend und eindrücklich


1918 – Deutschland nach dem großen Krieg … Das Land wird von Hungersnöten geplagt, die Daheimgebliebenen warten sehnsüchtig auf die Kriegsrückkehrer. In dieser düsteren Zeit begibt sich die Kriegsberichterstatterin Agnes Papen in die Eifel, in ihr Heimatdorf, das von den Wunden des Krieges heimgesucht wird, wie sich bald zeigt. 

Als die Bewohner einen stummen französischen Soldaten stellen, kommt eine Spirale der Gewalt in Gang. Menschen verschwinden spurlos, und in den Wäldern wird eine Leiche gefunden. Agnes beschließt, sich auf die Suche nach der Wahrheit zu machen …

Jan Kilman ist das Pseudonym eines bekannten deutschen Spannungsautors. Für seinen historischen Krimi »Heldenflucht« recherchierte Kilman intensiv über die Themen Kriegstraumata und Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg, begab sich an Kriegsschauplätze und las unzählige Feldpostbriefe dieser Zeit. (Quelle HEYNE Verlag)

Jan Kilman schreibt als Pseudonym von Autor Rudolf Jagusch.

Jan Kilman hat mit Heldenflucht einen spannenden Roman geschrieben, der vor allem das Leben, der unter Entbehrung lebenden und leidenden Menschen beleuchtet, die sehnsüchtig auf die rückkehrenden Soldaten aus dem ersten Weltkrieg warten. Er gewährt tiefe Einblicke in die verletzten und überstrapazierten Psychen der Dorfbewohner und Kriegsrückkehrer und hält damit die Spannungskurve auf einem ansehnlichen Niveau. Zu Zeiten, als es noch keine Elektrizität gab und die Einwohner der Eifel ihre Höfe bewirtschafteten, um sich überhaupt noch ernähren zu können, blüht der Schwarzmarkt und mit ihm Kummeleien.

Agnes Papen, ehemalige Kriegsberichterstatterin, kehrt in ihr Heimatdorf zurück. Sie pflegt ihren kranken Onkel, bis der spurlos verschwindet. Sie kümmert sich auch um einen französischen Soldaten, der in den Kriegsdramen zunächst seine Stimme verloren hat und den die Dorfgemeinde beinahe auf brutalste Weise aus dem Dorf vertrieben hätte. Agnes Papen wittert Geheimnisse und macht sich auf die Suche nach der Wahrheit.

In Heldenflucht sind Elemente verarbeitet, die man einem Kriminalroman zuordnet, doch insgesamt und rückblickend betrachtet, wäre das Genre Roman hier doch zuträglicher kategorisiert.

Jan Kilman mischt gut recherchierte, historische Geschichte mit Fiktion und baut seinen Roman chronologisch auf. Abwechslung bieten authentisch nachempfundene Briefe von der Front, in denen Soldaten ihren Alltag, die Schrecken des grausamen Krieges und ihre Vorfreude auf Heimat und Familie schildern. Doch die meisten dieser Soldaten werden noch fallen, obwohl die Nachkriegszeit bereits begonnen hat.

In einem flüssigen Schreibstil und in einer einfach gehaltenen literarischen Sprache, liest sich dieser Roman in einem leichten Fluss. Es ist zwar hochspannend und wirklich interessant, tiefe Einblicke in die damalige Gesellschaft und ihre Entwicklung nach dem Krieg zu erhalten, doch leider wartet dieser Roman auch mit ein paar Längen auf, während hin und wieder szenenabhängig Dramatik und Action die Vorherrschaft übernehmen.

Die Figuren spiegeln mit ihren Handlungen, ihren Gedanken und den gesprochenen Dialogen zwar gut und authentisch die damalige Zeit wieder und sie gestalten den Roman auf diese Weise besonders interessant und informativ, aber die meisten Charaktere bleiben doch weitestgehend blass. Eine intensivere, gleichbleibend gute Zeichnung der Charaktere und das Weglassen vieler Klischees, hätte dem Roman zu einer harmonischeren Gestaltung der Handlung verholfen.

Einem Kriminalroman gerecht, wird Kilman, indem er einer Figur extrem brutales, verbrecherisches Handeln zuschreibt. Bis fast zuletzt bleibt der Leser im Unklaren, wer hier Täter und wer Opfer ist. Intelligent kaschiert durch Wendungen und Verstrickungen, löst sich die Story zum Ende hin nachvollziehbar lückenlos auf, nach dem die Psyche des Täters, die die Schrecken des Krieges widerspiegelt, wie ein offenes Buch vor dem Leser liegt.

Heldenflucht ist ein Nachkriegsdrama. Weniger ein Kriminalroman als ein Roman, aber dennoch mit einer gesunden Spannung ausgestattet, die den Leser in die historisch interessante Zeit nach dem ersten Weltkrieg führt. Der Fokus des komplexen Romans liegt eindeutig in der Geschichte der Menschen, die unter den Entbehrungen dieser Zeit psychisch und körperlich leiden. Leider bleiben die Charaktere dennoch ein wenig blass, aber der flüssige, einfach gehaltene Stil garantieren angenehme Lesestunden.

Trotz der kritischen Anmerkungen, ist der Roman empfehlenswert.

©nisnis-buecherliebe




Titel: Heldenflucht

Autor: Jan Kilman

Erscheinungsdatum Erstausgabe: 13.03.2017

Aktuelle Ausgabe: 13.03.2017

Verlag: Heyne

Flexibler Einband 512 Seiten


Sprache: Deutsch

Kommentare:

  1. Liebe Anja,

    mit deiner tollen Rezi hast du mich mal wieder neugierig gemacht. Die Thematik finde ich sehr interessant, deine Kritikpunkte könnten mich allerdings stören. Aber ich vertraue deinem Urteil und daher bekommt das Buch einen Platz auf meiner Wunschliste :-)

    Liebe Grüße
    Tanja

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    1. Liebe Tanja,

      wie schön, dass du meinem Urteil Vertrauen schenkst. Die Kritikpunkte werden dir den Lesespaß sicher nicht verderben und dir wird das Buch sehr gefallen.

      Liebe Grüße

      Anja

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  2. Ui, das Buch werde ich mir merken! Ich mag Nachkriegsromane und die Mischung Drama mit Krimi sagt mir absolut zu! Schade, bzgl. der Charaktere aber ich denke, wenn du vier Sterne für das Buch vergeben konntest, kann man gut über diese Schwäche hinwegschauen.

    GlG vom monerl

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    1. Liebe Monerl,

      absolut. Es ist schade, aber es schwächst kaum das Lesevergnügen. Ich kann dir das Buch definitiv empfehlen.

      Liebe Grüße

      Anja

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  3. Liebe Anja,

    eine tolle Rezension, du hast es wieder genau auf den Punkt gebracht.

    Was die Charaktere angeht, so habe ich da ganz ähnlich empfunden. Mir waren es hier einfach zu viele, um mit einem von ihnen richtig mitempfinden zu können. Dafür hat mir der geschichtliche Hintergrund auch sehr gut gefallen.

    Ich bin auch gespannt auf weitere Bücher des Autors.

    Ganz lieben Dank für die Verlinkung! <3

    Liebe Grüße
    Silke

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    1. Liebe Silke,

      ja, der Autor hat einfach mal eine andere Sichtweise auf die Dinge gezeigt, das hat mir gut gefallen. Ich bin gespannt, was Jan Kilman uns als nächstes präsentiert.

      Liebe Grüße

      Anja

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  4. Hallo liebe Anja,
    wow wieder einmal eine wundervolle Rezension, die mich in den Bann gezogen hat. Du hast immer die richtigen Worte um das Buch zu präsentieren. Ganz prima!!
    Kommt auf meine Wunschliste und hoffentlich bald auf den SUB Stapel.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Liebe Andra,

      es wird dir sicher gefallen. Es ist einfach eine gute Mischung.

      Auf das dein SuB nicht ins unermessliche ansteigt, Zwinger ;-).

      Liebe Grüße

      Anja

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  5. Hallo Anja,
    das ist ja ein interessantes Buch mit einer vielschichtigen Thematik. Grundsätzlich nicht uninteressant, nur bin ich im Moment nicht in der richtigen Stimmung für einen komplexen Handlungsaufbau. Für so eine Geschichte braucht man die richtige Einstellung, wäre sonst schade drum.
    LG - Daniela
    PS: Ich hab dich auch hier getaggt, mich würde sehr interessieren, welche Bücher du für den Monopoly-Tag findest

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    1. Liebe Daniela,

      das kenne ich auch. Es gibt so Zeiten, da benötigt man eine süffige Geschichte und ist einfach mal nicht bereit eine komplexe Story zu lesen. Du hast recht, es wäre sonst schade darum.

      Lieben Dank für den Tag. Ich bin im Moment zeitlich auch etwas eingeschränkt, aber ich will ihn mir gern einmal anschauen und dann entscheiden, ob meine knappe Zeit dafür reicht ;-).

      Liebe Grüße

      Anja

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