Roman - Gastrezension von Lienz - Die Unglückseligen von Thea Dorn

26 Mai 2016

Der große Roman über die Sehnsucht nach Unsterblichkeit


Johanna Mawet ist Molekularbiologin und forscht an Zebrafischen zur Unsterblichkeit von Zellen. Während eines Forschungsaufenthalts in den USA gabelt sie einen merkwürdigen, alterslosen Herrn auf. Je näher sie ihn kennenlernt, desto abstrusere Erfahrungen macht sie mit ihm. Schließlich gibt er sein Geheimnis preis. Er sei der Physiker Johann Wilhelm Ritter, geboren 1776. 

Starker Tobak für eine Naturwissenschaftlerin von heute. Um seiner vermeintlichen Unsterblichkeit auf die Spur zu kommen, lässt sie seine DNA sequenzieren. Als Johannas Kollegen misstrauisch werden, bleibt dem sonderbaren Paar nur eines: die Flucht, dorthin, wo das Streben nach wissenschaftlicher Erkenntnis und schwarze Romantik sich schon immer gerne ein Stelldichein geben - nach Deutschland. (Inhalt, Verlag)
Thea Dorn, geboren 1970, studierte Philosophie und Theaterwissenschaften in Frankfurt, Wien und Berlin und arbeitete als Dozentin und Dramaturgin. Sie schrieb eine Reihe preisgekrönter Romane und Bestseller (u.a. "Die Hirnkönigin"), Theaterstücke, Drehbücher und Essays (u.a. "Die neue F-Klasse – Wie die Zukunft von Frauen gemacht wird") und zuletzt mit Richard Wagner den Sachbuch-Bestseller „Die deutsche Seele“. Sie moderierte die Sendung "Literatur im Foyer" im SWR-Fernsehen und kuratierte unter dem Motto "Hinaus ins Ungewisse!" das "forum:autoren" beim Literaturfest München 2012. Der Film "Männertreu", zu dem sie das Drehbuch geschrieben hat, wurde 2014 mit dem "Deutschen Fernsehpreis" als bester Fernsehfilm des Jahres und 2015 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Thea Dorn lebt in Berlin.
Die Unbeugsamkeit des Todes – und des Teufels Wort in Gottes Ohr …

Der Tod. Er ist unwiderruflich, emotional unfassbar und widersetzt sich aller menschlicher Manipulation. Nicht selten wird er in einem Atemzug genannt mit dem Teufel. Gehören sie stets zusammen?

Johanna Mawet lebt für die Forschung mit dem Ziel, den Tod zu bezwingen. Da spielt ihr das Leben – oder ist’s der Teufel? – Johann Wilhelm Ritter zu. Sie stellt fest, dass dieser Mensch mit seinen 240 Jahren wohl unsterblich ist… Sie erfährt Leben und Tod, Teufel und Liebe, Genie und Wahnsinn – alles der Unsterblichkeit wegen. War’s früher der Jungbrunnen, so stellt sich die heutige Wissenschaft bockig, ehrgeizig und zu allem bereit dem Tod auf Teufel-komm-raus in den Weg. Das ist ein Stoff, der mich interessiert.

Letztlich war es dieser Satz des Klappentexts, der mich dazu bewogen hat, das Buch zu kaufen:

„Die Unglückseligen sind ein nachdenklicher Wissenschaftsroman, eine anrührende Liebesgeschichte und großes Welttheater in der langen Tradition des Fauststoffs.“

Von Thea Dorn kenne (und liebe) ich bislang Mädchenmörder – ein Liebesroman.

Mit entsprechend hoher Erwartung bin ich an das Buch herangegangen.

Allein die Sprache ist es wert, das Buch zu lesen. Thea Dorn hat uns mit diesem Roman ein schillerndes Feuerwerk der deutschen Sprache beschert. Und noch einen draufgesetzt! Indem sie Deutsch die Sprache Hand in Hand zur Seite gestellt hat, von der Deutsch sich am meisten nährt, das nämlich US-amerikanische Englisch. Deutsch und Englisch werden in dem Buch zu einem stimmigen Ganzen verwoben. Um es Neudeutsch zu sagen: Ich habe die Sprache in diesem Roman einfach nur geliebt! Und liebe sie immer noch!

Dies ist ein Buch, das mehr als ein Buch ist:

Es ist ein Kunstwerk. Verschiedene Schriftarten, einschließlich der Fraktur-Schrift, erfreuen das Leserauge. Eine Szene erhält sogar das Layout eines Comics und knallt so rein, dass man schlucken muss. Selbst der Buchrücken wartet auf mit einer kleinen Teufelei.

Drei, nein, vier Perspektiven tragen den Roman: Johannas, Ritters, des Teufels und die einer – ja! – Fledermaus. Samt Abbildung derselben. Allein das ist so schräg, so einzigartig wie ein Picasso.
Für mich ist „Die Unglückseligen“ eines der Lese-Highlights seit langem. Jeden Buchstaben habe ich genossen. Ein Buch das mit seiner Schönheit mein Regal der besonderen Bücher dauerhaft zieren wird.


Autor: Thea Dorn

Erscheinungsdatum Erstausgabe : 26.02.2016
Aktuelle Ausgabe : 26.02.2016
Verlag : Knaus
Fester Einband 560 Seiten
Sprache: Deutsch

Kommentare:

  1. Endlich wieder ein Buch von Thea Dorn! Die Hirnkönigin von ihr ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Denise,

      die Hirnkönigin ist an mir vorbei gegangen. Da es eines deiner Lieblingsbücher ist, werde ich es mir mal näher anschauen. Danke für den Hinweis.

      Viele Grüße

      Nisnis

      Löschen