Thriller - Flammenmund von Denise Yoko Berndt

28 September 2016

Racheschwur – Kurzweiliger und geschichtsträchtiger Thriller


Universitätsstadt Tübingen: Eine junge Frau wird in der Altstadt von Tübingen brutal mit Pfeil und Bogen erschossen. Die Geschichtsstudentin Oscar, die ihre Semesterarbeit über Sagen der Region verfasst, stößt dabei zufällig auf Ähnlichkeiten zu einer mittelalterlichen Sage, über die sie recherchiert.

Während Oscar die Zusammenhänge in eine schlüssige Reihenfolge bringt, ein weiterer mysteriöser Mord geschieht, ahnt sie noch nicht, dass auch ihr Leben in höchster Gefahr schwebt.
Denise Yoko Berndt arbeitete als Übersetzerin und schrieb Songtexte für verschiedene Künstler sowie mehrere Drehbücher, bevor sie 2006 ihren ersten Roman veröffentlichte. Sie studierte Screenwriting im Writers' Program der UCLA (University of California, Los Angeles).

Als Tochter eines Musikproduzenten von klein auf bestens mit der Musikszene vertraut, lag es für sie nahe, die Mitglieder einer Rockband zu den Protagonistinnen ihrer Krimireihe zu machen. Capital Porios ist nach Rome Eternal, Wicked Weimar und Dead in Dornbirn der vierte Roman um die Girl-Band The Poriomaniacs.

Ebenfalls bereits erschienen sind die Novelle Pysanky in Buenos Aires (ein Krimi-Märchen) und die Kurzgeschichtensammlung The Poriomaniacs ... machen's kurz.

Wenn sie nicht gerade irgendwo auf dieser Welt für das nächste Buch recherchiert, lebt die Autorin in München. (Quelle: Amazon Autoren-Information)
Chick-Lit-Krimi- und Thriller- Autorin Denise Yoko Bernd ist mir bereits seit einigen Monaten als Literatur-Bloggerin bekannt und ich genieße ihre oftmals sehr fundierten Beiträge über mein Lieblings-Genre Thriller und Kriminalromane. Meine Erwartungshaltung gegenüber ihrem Werk war hoch angesetzt und sie hat sie mir bestätigt.

Ganz federleicht bin ich hinab getaucht in eine Geschichte, dessen Hauptfigur eine taffe Geschichtsstudentin ist. Susanne Bergmann lebt in einer WG, büffelt für ihr Studium und schreibt an einer Semesterarbeit mit dem Titel: „Lokale Sagen – Fakt oder Fiktion“. Sie arbeitet daran, mittelalterliche Sagen zu entdecken, deren Wahrheitsgehalt auf Basis der Wirklichkeit beruht.

Ihr größter Wunsch ist es ein Stipendium zu erhalten, um sich ohne Nebenjob und ohne eine finanzielle Unterstützung durch die betuchten Eltern, auf ihr Studium konzentrieren zu können und um ihre Ziele selbstständig zu erreichen.

Susanne Bergmann nennt sie eigentlich niemand. Ihre Liebe zu Oscar Wilde, mit dessen Bildnis sie des Öfteren Zwiesprache hält, hat ihr den Spitznamen „Oscar“ eingebracht, auf den sie bedingungslos hört. Sie ist taff und zielstrebig, wenn auch eher eigenbrötlerisch und ihr Liebesleben steht ganz schön Kopf.

Die Figur Oscar wird mir in ihren Charakterzügen sehr deutlich und durchaus sympathisch, doch ihrer Vorliebe für Historisches und Sagen kann ich absolut nichts abgewinnen, obwohl ich grundsätzlich an Geschichte interessiert bin. Während sich das Zusammenleben in der WG recht erfrischend darstellt, vor allem der Nutella-Dauer-Vertilger Guschtl ein liebenswerter Typ ist, kann mich das Thema Sagen kaum begeistern. Es erreicht mich inhaltlich nicht obwohl es gewissenhaft und gut recherchiert ist und maßvoll in die Handlung eingearbeitet ist.

Der brutale Mord, der geschieht, den Oscar fast gänzlich ohne polizeiliche Hilfe aufklären will, dreht sich um einen Familien-Stammbaum, der wiederum mit einer lokalen Sage zu tun hat. So ganz ohne polizeiliche Ermittlungen wirkt die Handlung auf mich persönlich nicht ganz authentisch, sondern eher wie eine abenteuerliche Geschichte.

Der eigentliche Kriminalfall, dem später noch ein weiterer folgt, bei dem eine junge Frau mit Pfeil und Bogen erschossen wird, ließ mir eine Gänsehaut über den Rücken krabbeln. Geschmackvoll gruselig und geheimnisvoll klebte ich mit Spannung an den Seiten, die sich dann ab Mitte der Story noch einmal steigerte. Perspektivwechsel und das gut pointierte Aufblitzen eines Erzählstrangs aus Sicht des Täters, sorgten für einiges an Nervenkitzel a‘la Thriller.

Auch der Stil der Sprache festigte sich für mich ab da noch einmal mehr in die Richtung, die ich sehr mag. Knackige Dialoge, ab und an etwas zum Schmunzeln und ein zielstrebiges Vorankommen in den Mordermittlungen, die mir einiges zum Rätseln auftrugen. Auch wenn ich sehr schnell eine Vermutung besaß wer der Täter sein könnte, so hielt mich die verbleibende Ungewissheit über das Motiv bis zu Letzt gefesselt.
Flammenmund ist ein kurzweiliger Thriller über eine Geschichtsstudentin, die durch ihre Recherchen zu einer mittelalterlichen Sage einen Kriminalfall aufklärt. Ich empfehle ihn gern.


Titel: Flammenmund

Erscheinungsdatum Erstausgabe : 23.07.2016
Aktuelle Ausgabe : 23.07.2016

ISBN-13: 978-1535105644

Kommentare:

  1. Ich hätte gern noch ein Statement zum Ekel- und Brutalitätsfaktor. :-)
    Ansonsten klingt es interessant. Ich mag Sagen.

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    1. Liebe Mona,

      das Blut das fließt ist fast nebensächlich dargestellt und die Brutalität der Tat ist da, aber sie steht nicht im Vordergrund. So zumindest empfinde ich. Wenn du keine bluttriefenden Thriller magst, kannst du diesen hier dennoch gut lesen.

      Liebe Grüße

      Nisnis

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  2. Tolle Rezi! Dein Kritikpunkt das sie die Fälle ohne Hilfe der Polizei lösen kann und damit nicht ganz authentisch wirkt, ist etwas was ich im Moment so gar nicht mag. Daher bleibt meine Wunschliste diesmal verschont :-)

    LG Tanja

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    1. Liebe Tanja,

      ja, so wirkt alles etwas abenteuerlich. Dazu muss man schon besondere Leselust empfinden.

      Na, so bin ich dann wenigstens mal nicht schuld daran, dass deine Wunschliste länger wird ;-).

      Liebe Grüße

      Nisnis

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