Ein Lesetagebuch - Leselaunen #2

18 Februar 2017

 

#2 vom 17. Februar 2017

Leselaunen ist eine wöchentliche Aktion von Bücherfantasien.


Trümmerkind von Mechtild Borrmann

In ihrem neuen Roman "Trümmerkind" beschreibt die mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnete Bestseller-Autorin Mechtild Borrmann das Leben eines Findelkinds im vom Krieg zerstörten Hamburg von 1946/1947. Spannung und historisches Zeitgeschehen miteinander zu verknüpfen, versteht Borrmann, die auch für den renommierten Friedrich-Glauser-Preis nominiert war, wie keine andere deutsche Autorin. Dies stellt sie mit ihren Bestsellern "Wer das Schweigen bricht", "Der Geiger" und "Die andere Hälfte der Hoffnung" und ihrem neuen Roman "Trümmerkind" eindrucksvoll unter Beweis. 

Der kleinen Hanno Dietz schlägt sich mit seiner Mutter im Hamburg der Nachkriegsjahre durch. Steine klopfen, Altmetall suchen, Schwarzhandel - das ist sein Alltag. Eines Tages entdeckt er in den Trümmern eine Tote – und etwas abseits einen etwa dreijährigen Jungen, der erstaunlich gut gekleidet ist. Das Kind spricht kein Wort, Verwandte sind nicht auffindbar. Und so wächst das Findelkind bei den Dietzens auf. Jahre später kommt das einstige Trümmerkind durch Zufall einem Verbrechen auf die Spur, das auf fatale Weise mit seiner Familie verknüpft ist … (Droemer Knaur)

Der Roman Trümmerkind von Mechtild Borrmann ist mir seit seinem Erscheinen, im Oktober 2016, schon oft begegnet. Ich habe in den vergangenen Monaten viele Rezensionen zu diesem Werk gelesen, die mich berührt und beeindruckt haben.

Mein Herz schlägt zwar überwiegend für Thriller und Kriminalromane, doch an guten Romanen, die die deutsche Geschichte verarbeiten, kann ich nicht vorbeilesen und so wanderte Trümmerkind auf meine Bücherträume-Liste. 

Dort verweilte es bis vor ein paar Tagen, als ich mit einer lieben Bloggerin via Facebook ins Gespräch kam und wir uns gegenseitig besondere Bücher empfahlen. Ich empfahl Alles Licht, das wir nicht sehen von Anton Doerr und Der Junge im gestreiften Pyjama von John Boyne. Anja von Anjas Buchstunden legte mir Trümmerkind ans Herz und ihre Worte bestätigten, wie tief berührend dieser Roman sei. Noch bin ich im ersten Drittel des Romans unterwegs, aber er kristallisiert sich jetzt schon zu einem Roman mit besonderer Gedankentiefe.


Meine Lesestimmung ist momentan sehr gut, denn das Lesen ist in den letzten Tagen eines der wenigen Dinge die ich tun kann und sollte, da nun auch noch mein anderes Bein schlappmacht. Ja nun, so ist das wenn man alles ummodelt, um alle Voraussetzungen zu erfüllen, die das neue Bücherzimmer benötigt und sich dabei übernimmt. Leider muss dadurch für mich morgen die Lesung in Dortmund mit Andreas Pflüger zu seinem Thriller Endgültig ausfallen, denn jetzt ist Schonen angesagt. Wie gut das ich bereits eine Lesung zu Endgültig genossen habe.

Bevor ich mit Trümmerkind begann, habe ich Der letzte Überlebende von Sam Pivnik gelesen. Der Theiss Verlag hat mir dieses beeindruckende Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Das Buch erscheint erst am 13. März 2017 und so wird meine Rezension zu diesem Werk auch erst nach dieser Frist erscheinen.

Der letzte Überlebende ist die Geschichte von Sam Pivnik, der mit 13 Jahren nach Auschwitz kam und dort sechs Jahre lang überlebte. Wie sehr mich dieses Buch berührt hat, kann ich wirklich nicht in Worte fassen. Zutiefst betroffen und auch beschämt habe ich das Buch nach seinen 304 Seiten zugeklappt und ich werde den Inhalt nie vergessen.

Ich lese immer wieder Bücher, die den zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit thematisch behandeln, denn ich suche immer noch nach den Antworten, wie die Gräueltaten eines Wahnsinnigen möglich waren und warum ihn niemand stoppen konnte oder wollte. Ja ich weiß, auch ich werde die Antworten nicht in diesen Büchern finden, aber mein Wissensdurst ist längst noch nicht gestillt, denn ich möchte besser verstehen. Wir Buchmenschen können aber einen kleinen Teil dazu beitragen, dass die Zeugnisse dieser Zeit niemals vergessen werden.

Über gute Buchempfehlungen wäre ich euch sehr dankbar.


Der letzte Überlebende von Sam Pivnik

„Innerhalb von vierundzwanzig Stunden konnten im Krematorium I 340 Leichen verbrannt werden. Krematorium II konnte 1440 Leichen aufnehmen, III weitere 1440, IV und V jeweils 768. Das gibt die entsetzliche Zahl von 4756 Leichen pro Tag.

Ich lebte mit diesem Wissen, oder mit einem Teil dieses Wissens, solange ich an der Rampe arbeitete. Manchmal überwältigte mich der Gedanke, und ich versank in einer unbeschreiblichen Verzweiflung. Aber mein Überlebenswille verließ mich nicht, ebenso wenig wie der Wille weiterzumachen, Tag für Tag, irgendwie auszuhalten, was die verfluchten Nazis mir antaten.“
  

Mein und sonst so fällt an dieser Stelle dünn aus, denn das was mich bewegt hat, floss bereits oben in meine Leselaunen ein. Nun hoffe ich, dass meine beiden Männer am Wochenende etwas Zeit finden werden, die neuen Bücherregale aufzubauen, die noch in Kartons verpackt hinter mir in meinem neuen Bücherzimmer liegen. Drückt mir die Daumen.

Ich wünsche euch allen ein wunderschönes und erholsames Wochenende und natürlich freue ich mich über eure Gedanken zu meinen zweiten Leselaunen.


Eure Nisnis

Kommentare:

  1. Hallo Anja,
    Trümmerkind ist mir jetzt auch so oft begegnet und es reizt mich schon so lange das ich es dich kaufen musste. Ich bin sehr gespannt auf diese Geschichte.
    Der letzte Überlebende ist ebenfalls schon meins. Da ich aber ein paar Bücher in dieser Richtung erst gelesen habe muss ich erst einmal Luft holen und etwas fiktives lesen.
    Mich berühren solche Bücher immer extrem.
    Als Tipp könnte ich dir
    "Das Lachen und der Tod" geben. Ein Buch das bei mir auch bleibenden Eindruck hinterlassen hat.
    Liebe Grüße
    Kerstin

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    1. Liebe Kerstin,

      ich stimmt dir zu, auch ich muss mich nach derartigen Büchern erst mal wieder in den Alltag zurück holen. Diese Geschichten klingen unglaublich lange in mir nach.

      Vielen Dank für deinen Buchtipp.

      Herzallerliebste Grüße

      Nisnis

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  2. Hallo Nisnis,
    'Solche' Bücher lese ich auch oft und trotz dem schweren Thema gerne.
    Deine zwei hier werde ich beide bald lesen aber erstmal muss ich Luft holen von meinen letzten. Sie berühren mich doch immer sehr und machen nachdenklich. Danach muss ich einfach mal etwas fiktives lesen um wieder runterzukommen.
    Als Tipp könnte ich dir "das Lachen und der Tod" geben.
    Liebe Grüße
    Kerstin

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  3. Huhu,

    Kriegsgeschichten lese ich nur selten. Ich gucke lieber Filme darüber. Historisches lese ich aber doch hin und wieder.

    LG Corly

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    1. Liebe Corly,

      ich mag diese beeindruckenden, historischen Filme ebenso, doch die Bücher kommen noch einmal viel näher an mich heran. Ich empfinde sie intensiver als Filme.

      Liebst Grüße

      Nisnis

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    2. okay, also an historisches Buch mag ich bisher am liebsten Die Päpstin. Sonst haben mir eigentlich immer die Filme besser gefallen.

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    3. Die Päpstin ist mir schon oft begegnet, aber gelesen habe ich diesen Roman noch nicht.

      Viele liebe Grüße

      Nisnis

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    4. ich mochte sowohl Buch als auch Film sehr gern.

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  4. Ich habe 'Trümmerkind' letztens gehört und bin noch immer begeistert von der Geschichte - es war mein zweites Sahnestückchen in 2017. =D

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    1. Liebe Mademoiselle Cake,

      das hört sich gut an, so habe ich sicher noch ein paar schöne Lesestunden vor mir.

      Liebe Grüße

      Nisnis

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    2. PS: Deine Rezi lese ich dann erst in den nächsten Tagen, wenn ich meine eigene Rezension verfasst habe.

      Liebe Grüße

      Nisnis

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    3. Das mache ich auch oft so, damit ich nicht von meinen eigenen Gedanken abgelenkt werde. ^^'

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  5. Trümmerkind steht schon ganz weit oben auf meiner Wunschliste, ich bin mal auf deine abschließende Meinung gespannt.
    Schon dich ein wenig und pass auf dich auf.

    LG Tanja

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    1. Liebe Tanja,

      es ist interessant, wie viele Buchmenschen schon auf dieses Buch aufmerksam geworden sind. Ihr müsst es unbedingt lesen.

      Liebe Grüße

      Anja

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  6. Hallo Anja,

    "Trümmerkind" werde ich hoffentlich auch noch lesen. Zum Thema 2.Weltkrieg und Nazi-Verbrechen (und natürlich war es nicht nur ein Wahnsinniger, sondern eine Menge williger Helfer) kann ich ein Buch empfehlen, das allerdings verdammt harter Tobak ist: "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell. Der Holocaust aus Täterperspektive. Ein sehr umstrittenes Buch. Ich habe es durchgehalten (es ist sehr dick), es war schon heftig, aber irgendwie schon eine interessante Erfahrung.

    Viele Grüße
    Gunnar

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    1. Lieber Gunnar,

      vielen Dank für deine Buchempfehlung. Genau das ist es, was ich lesen möchte. Ein Buch aus der Täterperspektive, obwohl mir bewusst ist, dass man das inhaltlich vermutlich nicht gut verarbeiten kann.

      Viele Grüße

      Anja

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  7. "Trümmerkind" ist auch schon sehr weit oben auf meiner Wunschliste. Ich lese sehr gern Bücher, die zu Zeiten der Weltkriege spielen, aber brauche da oft eine Pause dazwischen, weil sie mich so mitnehmen. "Der letzte Überlebende" wirkt sehr interessant, da bin ich auf deine Rezension dazu gespannt.

    Liebe Grüße & einen angenehmen Sonntag,
    Nicole

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    1. Liebe Nicole,

      diese Bücher beanspruchen ein bisschen Zeit, um sie zu verarbeiten, da stimme ich dir absolut zu.

      Viele Grüße

      Nisnis

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  8. Hallo Nisnis,
    Trümmerkind von Mechtild Borrmann habe ich ja auch noch auf meiner Leseliste, bisher war mir aber noch nicht danach. Für solche Bücher brauche ich immer die richtige Stimmung und im Moment ist mir eher nach was anderem.
    Ich bin gespannt wie es mir gefallen wird.

    Viele Grüße und noch einen schöne Woche,
    Rena

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    1. Liebe Rena,

      diese bedrückenden Geschichten kann man nicht immer lesen, man muss für solche Bücher besonders bereit sein.

      Viele liebe Grüße

      Nisnis

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  9. Ich fand "Trümmerkind" auch wahnsinnig gut und freue mich sehr, dass es dich abholen und mitnehmen kann. Dafür schiebe ich 'Alles Licht, das wir nicht sehen" immer noch vor mir her. Da brauche ich wohl Unterstützung vom Lesekreis. :-) Aber da ist jetzt erst mal "Unterleuten" dran.

    Hab einen schönen Sonntag!

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    1. Liebe Mona,

      Anthony Doerrs Roman wird dich sehr begeistern. Es ist sprachlich wunderschön und die Geschichte sehr emotional.

      Liebe Gr+ße

      Nisnis

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  10. "Trümmerkind" habe ich auch noch am Radar zum Lesen, wird aber wahrscheinlich noch etwas dauern, bis ich Zeit dafür finde ...

    Liebe Grüße
    Ascari

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    1. Liebe Ascari,

      freu dich darauf, auch wenn es noch etwas dauert. Das Buch ist sehr sehr lesenswert.

      Liebe Grüße

      Nisnis

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  11. Hey Nisnis,

    bevor ich gleich was zur Cruelty-Rezi sage, will ich ganz schnell noch die Leselaunen von letzter Woche "abfrühstücken".

    Ich traue mich nur wenig an derartige Literatur heran, will aber demnächst zusammen mit Kasin von den KeJa-Mädels ein Buch zu dem Thema lesen - vielleicht magst du Dich ja anschließen. "Black Earth - Der Holocaust und warum er sich wiederholen kann" von Timothy Snyder geht wahrscheinlich eher in Richtung Sachbuch, aber es hat mich doch recht neugierig gemacht. Laut Kasin kommt wohl im Apil das TB, ich hab das eBook aber schon in meiner skoobe-App gespeichert.

    Und, stehen Deine Bücheregale? ;)

    hab einen guten Start in die neue Woche,
    liebe Grüße,
    Jess

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    1. Liebe Jess,

      das Thema Holocoust zu lesen ist bitter. Es erschreckt, es öffnet die Augen, es macht unendlich traurig und auch wütend. Lieben Dank für den Hinweis mit der LR, ich überlege es mir.

      Ja, die Regale stehen, aber noch sind nicht alle Bücher eingeräumt. Aber sie sind soooooo schön :-). Näheres in den nächsten Leselaunen.

      Liebe Grüße

      Nisnis

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  12. Huhu meine Feine, auch wenn 'Kasin' die letzte "Leselaune" geschrieben hat (wechseln uns ja immer ab) so komm ich bei dir heut einfach mal so vorbei (=

    Bücher wie dein aktuelles sind immer wichtig, aber lese ich eigentlich nie (ein paar Jugendbücher in der Schulzeit), irgendwie ... neee ... warum? Ich weiß es nicht, weil es grundlegend immer wieder bei mir thematisiert wird? Bezüglich Schule & tochter, mein Freund hat ein großes Inetresse (somit immer viele Dokus), und Kriegszeit selbst ist auch heute allgegenwärtig, auch wenn wir hier in Deutschland nicht betroffen sind, so zieht es seine Kreise in den Nachrichten.

    Aber mir fällt gerade ein, eine Freundin schenkte mir "Maikäfermädchen". Eine Hebamme in der (Nach)Kriegszeit. Rezi hatte ich nie verfasst, aber hier findest du mehr Infos (Verlagsseite): http://www.aufbau-verlag.de/index.php/das-maikafermadchen-3279.html
    Eine Geschichte aus einem bislang nicht viel thematisiertem Blickwinkel!

    Lasse ganz liebe Grüße da & wünsch dir noch 'nen feinen Abend!

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    1. Liebe crumb,

      in den letzten Jahren habe ich immer wieder Bücher über den 2. Weltkrieg gelesen, dann aber eine große Lesepause gemacht. Erst jetzt habe ich nun mal wieder mehrere Bücher, die ich über dieses Thema lesen möchte. Man kann auch nicht immer dafür bereit sein.

      Lieben Dank für deine Empfehlung.

      Viele Grüße

      Nisnis

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    2. Vielleicht ist ja das Buch etwas für dich, mir hatte es sehr gut gefallen!

      Hab eine feine Woche!

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