Thriller - Milo. Geliebter Todesengel von E. M. Fiend

10 Juni 2018

Grau in Grau in Grau
Viel Action, toller Stil, aber wenig Handlungsinhalt

Auf der Flucht vor seinem Vater stürzt sich der deutsche Unternehmensberater Marcus Wirtmann in seine Arbeit, in Auslandsreisen und den Alkohol. In San Francisco stößt er zufällig mit einer geheimnisvollen kämpferischen Schönheit zusammen und fühlt sich sofort unrettbar in sie verliebt. Er hilft ihr, einer Gruppe japanischer Gangster zu entkommen und will sich ihr anschließen. Doch sie lehnt das ab. 

Also folgt er ihr heimlich und rettet sie ein zweites Mal aus einem schwer bewachten Landsitz eines Engländers, wo sie in eine Falle geriet. Diesmal ist sie überzeugt von seinen Qualitäten und nimmt ihn mit in ihr Versteck in der texanischen Wüste. Dort unterzieht sie ihn einem monatelangen harten Einzelkämpfertraining. 

Es folgt ihr erster gemeinsamer Auftrag. Die Abholung eines geheimnisvollen Koffers in Tokio erweist sich jedoch als Falle und die beiden werden von der japanischen Regierung zur Zusammenarbeit gezwungen. Die Apokalypse nimmt ihren Lauf ... (Quelle: mainbook)

Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit. Mit diesem Buch schreibe ich nicht nur die gemeinsamen Erlebnisse der letzten Jahre nieder, sondern versuche verzweifelt, den „Bruder“ wiederzufinden, der mir alles bedeutet“.– M. E. Fiend

Wer in Gedanken an dieses Zitat, das den Klappentext schmückt, den Thriller Milozu lesen beginnt, der wird von einem intensiven Sog erfasst, der bis zur letzten Seite anhält. 

SAP-Unternehmensberater Marco Wittmann führt ein Leben, dass durchweg von undurchdringlichem und einheitlichem Grau durchzogen ist. Ohne dass es ihm bewusst ist, spult er alltäglich seinen Hamsterrad-Alltag ab, der von einer trostlosen Farblosigkeit geprägt ist. Oberflächlich ist der Unternehmensberater umgänglich, etwas kauzig, kommunikationsstark und ein gestandener Mann, doch in seinem Innern tobt ein Kampf gegen die hochemotionalen und blutigen Träume, die ihn jederzeit, auch körperlich, einholen können. 

Als er in San Francisco auf die geheimnisvolle Milo trifft und ihr bei einer dramatischen Aktion das Leben rettet, verfällt er ihr völlig. Wer nun glaubt, von einer romantischen Liebe zu lesen, der täuscht sich gewaltig.

Während Milo, ehemaliges Mitglied der Yakuza, Marco zunächst auf Abstand hält, setzt dieser alles daran, Milo auf den Fersen zu bleiben und um ihre Gunst zu kämpfen. Kämpferisch höchst kompetent ausgebildet hinterlässt Milo den Eindruck einer brutalen Söldnerin. Als Marco bereit ist sein bisheriges Leben aufzugeben, wird Milo zu seiner gnadenlosen Lehrerin.

Ein Mikrolächeln ist alles was die dominante, kaltblütige Milo ihm gegenüber an Emotionen zulässt, aber allein dafür akzeptiert Marco auf eine hörige Weise seine brutale Ausbildung zum Kämpfer. Teils schwer verletzt, triezt sie ihn zu körperlichen Höchstleistungen, ohne dass er weiß, was ihr gemeinsames Ziel sein wird. Marco ist das alles völlig unwichtig, da er plötzlich wieder Farben in seinem Leben wahrnimmt und die Dämonen seiner Träume Abstand zu halten scheinen. 

M. E. Fiends ist mit Milo ein actionreicher, außergewöhnlicher Thriller gelungen. Die ungewöhnliche Rollenverteilung der Figuren, ein gewaltgeschwängertes Agenten-Flair und ein besonderer Schreibstil mit hohem Widererkennungswert, sind eigentlich eine gelungene Thrill-Mixtur.

Für mich persönlich bestand der Sog und die Spannung der Story jedoch fast ausnahmslos aus dem Wissen, dass es sich inhaltlich bei diesem Thriller um wahre Begebenheiten und Erlebnisse des Autors handelt. Dieses Bewusstsein klang für mich in jedem Satz mit und es veranlasste mich, das Gelesene auf eine außergewöhnliche Art immer wieder zu reflektieren. Ich muss jedoch auch gestehen, dass ich diesen Thriller ohne dieses Wissen deutlich anders empfunden und gegebenenfalls sogar beendet hätte. Dann nämlich wären mir die Kampf- und Actionszenen, trotz des angenehm rasanten Tempos zu ausufernd und langatmig gewesen, es hätte mir eine harmonischere Handlung und weitere interessante Inhalte gefehlt und ich hätte unterstellt, dass die Wesensveränderung Marcus Wittmanns unglaubwürdig wäre.


M. E. Fieds Schreibstil und Sprache sind nicht nur angenehm flüssig zu lesen, sondern literarisch harmonisch ausgefeilt. Sätze aus der Ich-Perspektive von Marco Wittmann sind wohlgeformt, besitzen einen gewissen umgangssprachlichen, manchmal derben Pfiff und sie sind mit einer maßvollen Prise Humor und Selbstironie gewürzt.

Neben den teils dominierenden Action-Szenen, die authentisch und filmreif erzählt werden, gelingt es M. E. Fiend die Tiefe der Geschichte durch perspektivisches Geschickt hervorzuheben. Marco Wittmann fühlt sich von der einstigen Herrschaft und brutalen Hand des Vaters getrieben und verfolgt, sucht nach seinem wahren Ich und will endlich frei sein.

Die Tiefe der Handlung ist hochemotional und berührend und sie entfacht die Neugier auf den nächsten Teil der Reihe um Marco Wittmann, vorausgesetzt, man mag es blutig und liebt lange Kampfszenen. Mir persönlich liegt das jedoch nicht.

Milo – Geliebter Todesengel ist ein actionreicher, außergewöhnlicher Thriller mit einer ungewöhnlichen Rollenverteilung der Figuren, gewaltgeschwängertem Agenten-Flair und einem Schreibstil mit hohem Widererkennungswert. Das allein wäre eine gelungene Thrill-Mixtur, wenn die Kampfszenen nicht so ausufernd, langatmig und in der Handlung dominant erzählt wären.


©nisnis-buecherliebe.de

Weitere Rezensionen:




Autor: E. M. Fiend

Erscheinungsdatum Erstausgabe: 04.05.2018

Aktuelle Ausgabe: 04.05.2018

Verlag: MainBook


Flexibler Einband 355 Seiten

Sprache: Deutsch

Kommentare:

  1. Liebe Anja,

    deine tolle Rezension habe ich sehr gerne gelesen, deine Kritikpunkte würden mich aber wohl zu sehr stören. Diesmal kein Buch für mich :-)

    Liebe Grüße
    Tanja

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    1. Dankeschön, liebe Tanja. Es ist definitiv nicht deine Richtung.

      Liebe Grüße

      Anja

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  2. Hey :)

    Endlich mal wieder eine neue Rezi bei dir - wie schön :).
    Das Buch ist mir ja schon früher bereits einmal begegnet. Hängen geblieben ist das Cover hauptsächlich deswegen bei mir, weil ich das Gefühl hatte, es erinnert mich an Tarantinos "Kill Bill" ... Inhaltlich hat es mich aber so gar nicht angesprochen, weil ich - sorry dafür, wenn ich das jetzt so direkt hinschreibe - mir dachte, das klingt nach entsetzlich schlechtem Groschenroman ... Oder vielleicht auch noch nach Männerroman?
    Aber nee, danke, das is mir persönlich zu einseitig, das schätze ich an Actionfilmen nicht besonders, wenn's wirklich nur um Haudrauf und nix anderes geht.

    Liebe Grüße
    Ascari

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    1. Liebe Ascari,

      zunächst erst einmal sorry, dass ich erst heute auf deinen Kommentar antworte. Es ist völlig an mir vorbei gegangen, dass Blogger es nun nicht mehr für nötig hält, über Kommentare per Mail zu informieren. Ich muss mir was einfallen lassen, das gefällt mir mit dieser Oberfläche immer weniger.

      Ich kann es nachvollziehen, dass der Klappentext nach Groschenroman klingt, aber der gekonnte Schreibstil löscht diese Idee gekonnt aus. Für mich war einzig der Antrieb, dass es sich eben nicht um eine fiktive Story handelt, als Leseratte von Spannungsliteratur, war es mir inhaltlich jedoch nicht ausgeglichen genug.

      Liebe Grüße

      Anja

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  3. Hach, ich nehm mir jetzt einfach die Zeit für einen Besuch bei dir! Bin eh viiiel zu selten in letzter Zeit bei dir!

    Aber schon interessant, das die Tatsache der wahren Begebenheit dich zum lesen verführt hat und du es andersherum ggf. früh zeitig beendet hättest. Bei mir ist es bezogen auf "Milo" ja genau andersherum.

    Hab einen mukkeligen Nachmittag meine Feine!

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    1. Liebe Janna,

      zunächst erst einmal sorry, dass ich erst heute auf deinen Kommentar antworte. Es ist völlig an mir vorbei gegangen, dass Blogger es nun nicht mehr für nötig hält, über Kommentare per Mail zu informieren. Ich muss mir was einfallen lassen, das gefällt mir mit dieser Oberfläche immer weniger.

      Dieses Buch kann einen zwiespältig zurücklassen. Schade. Wirklich, denn der Schreibstil hat mir schon gut gefallen.

      Liebe Grüße

      Anja

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  4. Wenn ein Buch auf einen wahren Kern zurückgeht, macht es das auch für mich gleich viel interessanter. Schon merkwürdig, dass man in Fiktion vieles als unglaubwürdig abtut, aber die Realität ist oft viel ungalubwürdiger, aber genau so passiert es. Ein interessanter Gesichtspunkt.
    Zu ausführlich und zu dominant vorkommende Kampf- oder Verfolgungsszenen stören mich sehr. Denn ich neige dazu, den Überblick zu verlieren oder mir vieles, was da geschildert wird, nicht vorstellen zu können. Mein Kopfkino hat daran keine Spaß, sondern scheitert regelmäßig. Da wäre mir eine zusammengefasste Version lieber, aber abgesehen davon klingt das Buch wirklich nicht schlecht.

    LG Gabi

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    1. Liebe Gabi,

      zunächst erst einmal sorry, dass ich erst heute auf deinen Kommentar antworte. Es ist völlig an mir vorbei gegangen, dass Blogger es nun nicht mehr für nötig hält, über Kommentare per Mail zu informieren. Ich muss mir was einfallen lassen, das gefällt mir mit dieser Oberfläche immer weniger.

      Es ist ein interessantes Buch, unter dem realen Gesichtspunkt, und allein das liefert schon eine enorme Anziehungskraft. Dennoch möchte ich schließlich auch nach meinem Geschmack unterhalten werden, Spannung genießen und kein verlieren in Kampfszenen etc. Ich wertschätze den Schreibstil des Autors, der feingeschliffen eine Augenweide darstellt, aber letztendlich muss das Gesamtpaket stimmen.

      Liebe Grüße

      Anja

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  5. Liebe Anja,

    bei diesem Buch war ich unschlüssig, ob ich es lesen soll. Ich hatte lange überlegt und mich dagegen entschieden. Nach deiner Rezi, obwohl sie mir gefällt, denke ich, dass es gut war, dass ich das Buch wieder aus der Hand gelegt hatte. Deine Kritikpunkte sind nämlich genau die, die mich zum Zweifeln gebracht hatten. :-)

    GlG, monerl

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    1. Liebe Monerl,

      zunächst erst einmal sorry, dass ich erst heute auf deinen Kommentar antworte. Es ist völlig an mir vorbei gegangen, dass Blogger es nun nicht mehr für nötig hält, über Kommentare per Mail zu informieren. Ich muss mir was einfallen lassen, das gefällt mir mit dieser Oberfläche immer weniger.

      Dieses Buch hat was und dennoch ist es einfach nicht das was ich brauche, um literarisch Freude beim Lesen zu empfinden. Der Autor hat viele Jahre an seinem Werk gearbeitet, das wertschätze ich sehr und man spürt es in jedem seiner Sätze. Innerheitlich war es absolut interessant, aber dennoch fehlte das gewisse Etwas, was einen Roman inhaltlich harmonisiert.

      Ich bin mir sicher, es wäre nicht dein Buch gewesen.

      Liebe Grüße

      Anja

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